BKW investieren zehn Millionen in Mühleberg

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AKW abgeschaltetBKW investieren zehn Millionen in Mühleberg

Wegen Sicherheitsbedenken wird das AKW Mühleberg fünf Wochen vor der ordentlichen Jahresrevision abgeschaltet. Für bauliche Massnahmen investieren die BKW 10 Millionen Franken. Im September soll das AKW wieder ans Netz.

am/mar
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Da bei einem extremen Hochwasser eine Wasserzuleitung verstopft werden könnte, wird das AKW Mühleberg fünf Wochen vor der Jahresrevision abgeschaltet.

Da bei einem extremen Hochwasser eine Wasserzuleitung verstopft werden könnte, wird das AKW Mühleberg fünf Wochen vor der Jahresrevision abgeschaltet.

Das AKW Mühleberg wird am Donnerstag für Sicherheitsnachbesserungen abgeschaltet. Grund sind Bedenken, dass bei einem extremen Hochwasser eine Wasserzuleitung verstopft werden könnte. «Geschiebe in der Aare könnte die Kühlwasserzufuhr beschränken», sagte Hermann Ineichen, Leiter Energie Schweiz, an einer Medienkonferenz der BKW.

Deshalb wird das Atomkraftwerk damit fünf Wochen vor Beginn der ordentlichen Jahresrevision vom Netz genommen. Und einen Tag bevor, die BKW der Ensi einen Sicherheitsbericht übergeben hätte müssen. «Ob wir etwas zu früh gekommen sind, weiss ich nicht», sagte der BKW-Chef Kurt Rohrbach. Man werde das Kraftwerk am Mittwochabend aufgrund der eigenen Sicherheitsstandarts herunterfahren.

Grosse Investitionen

Mit dem Entscheid, das AKW Mühleberg länger als geplant vom Netz zu nehmen, untermauert der bernische Stromkonzern BKW nach eigenen Angaben seine Philosophie des «Safety First».

Der Versorgungsauftrag rücke in den Hintergrund, sobald neue Erkenntnisse zu Sicherheitsaspekten vorlägen, sagte BKW-Direktionspräsident Kurt Rohrbach am Mittwoch vor den Medien in Bern. Der Entscheid, Mühleberg fünf Wochen früher als geplant vom Netz zu nehmen, «entspricht unserem Selbstverständnis».

In die baulichen Massnahmen investiere die BKW in den nächsten Wochen rund 10 Millionen Franken. Durch den verlängerten Produktionsunterbruch gebe es zudem wirtschaftliche Einbussen von rund 20 Millionen Franken. Dies belaste das Jahresergebnis.

Verstopfung des Einlaufbauwerks möglich

Neue Erkenntnisse im Bereich der auf Extremsituationen ausgelegten Hochwasserszenarien hätten ergeben, dass bei bestimmten Ausnahmesituationen eine «Verstopfung des Einlaufbauwerks des SUSAN- Notstandsgebäudes durch das in der Aare erwartete Geschiebe» nicht ausgeschlossen werden könne, schreibt die BKW.

Deshalb will die BKW eine «verstopfungssichere Wasserversorgung des SUSAN nach Eintreten eines Extremereignisses» gewährleisten. Ausserdem werde die Hochwassersicherheit des bestehenden Pumpenhauses verbessert.

Früher als geplant abgeschaltet

Am 30. Juni 2011 wollen die Bernischen Kraftwerke «wie geplant den verlangten Nachweis für die Bewältigung eines 10 000 jährlichen Hochwassers erbringen». Der Nachweis basiere auf dem bestehenden Hilfskühlwassersystem und betrieblichen Massnahmen.

Um diese Massnahmen bis zum planmässigen Anfahren des AKW Mühleberg nach der bevorstehenden ordentlichen Jahresrevision verwirklichen zu können, muss die BKW das Atomkraftwerk bereits am Donnerstag vom Netz nehmen.

Das Kernkraftwerk wäre in fünf Wochen wegen der Jahresrevision sowieso abgeschaltet worden. Geplant ist, das Kraftwerk nach der ordentlichen Revision im September wieder ans Netz zu bringen. (am/mar/sda)

Mühleberg-Gegner verlangen gerichtliches Gutachten

Im erbitterten Rechtsstreit um die unbefristete Betriebsbewilligung für das AKW Mühleberg haben sich die AKW-Gegner erneut ans Bundesverwaltungsgericht gewandt. Das Gericht soll beim deutschen TÜV Nord ein Experten-Gutachten einholen, das sich zum BKW-Nachrüstkonzept in Sachen Kernmantel äussert. Auch der Standpunkt der Bundes-Aufsichtsbehörde ENSI soll unter die Lupe genommen werden.

«Die BKW erachten den Betrieb von Mühleberg weiterhin als sicher, ohne nachzuweisen, dass die im TÜV-Nord-Gutachten 2006 erhobenen Sicherheitsrisiken beseitigt worden wären», kritisieren die Mühleberg-Gegner. Das Gutachten von 2006 war vom ENSI eingeholt worden. Nach Darstellung der AKW-Gegner sind Auflagen, die damals von den deutschen Experten empfohlen wurden, bis heute nicht umgesetzt worden.

Das aktuelle Gerichtsverfahren dreht sich um die unbefristete Betriebsbewilligung, die das AKW Mühleberg 2009 erhielt. Dagegen sind Einsprachen beim Bundesverwaltungsgericht hängig.

Die AKW-Gegner prangern in ihrem juristischen Kampf vor allem die Risse im Kernmantel an. Die BKW hat wiederholt entgegnet, das Werk könne trotz der seit 1990 bekannten Risse sicher betrieben werden. (sda)

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