RechtsrutschHomosexuelle laufen den Linken davon
Charmeoffensive der Linken auf die Gays: Mit radikalen Forderungen wollen die Juso die «Verbürgerlichung» der Gay-Community stoppen.
In der Gay-Community der Schweiz tobt ein politischer Richtungskampf. Die Linke, traditionellerweise Anwältin der homosexuellen Minderheit, sieht ihre Felle davonschwimmen. Auf Parteiebene marschierte die Gay-SVP trotz erbitterten Widerstands an der Zürcher Gay Pride 2010 mit und vor kurzem hat sogar die CVP eine Arbeitsgruppe Homosexualität gegründet. Aber auch in der schwul-lesbischen Basis stellen Aktivisten aus allen politischen Lagern eine «Verbürgerlichung» der Gay-Bewegung fest. «Kapitalistische Unternehmen haben Schwule als finanzstarke Doppelverdiener entdeckt. Sie geben nun vor, die Interessen der Schwulen und Lesben zu unterstützen», sagt Florian Vock, Vorstand der Juso-Gruppe GaynossInnen. Die Folge sei eine «erschreckende Oberflächlichkeit der Homo-Community».
SVP-Gay-Politiker Thomas Fuchs bestätigt den Wandel nach rechts, ortet aber eine andere Ursache: «In der Schweiz war die Islam-Debatte ein Mitauslöser. Viele traditionell linke Gays haben wegen der akuten Schwulenfeindlichkeit vieler islamischer Länder gegen Minarette in der Schweiz gestimmt – und dabei gemerkt, dass sie eigentlich gar nicht mehr links sind.»
Die GaynossInnen wollen dem nicht tatenlos zusehen: In einem radikalen Positionspapier skizzieren sie deshalb eine Fortsetzung der gesellschaftlichen Befreiung der Homosexuellen (siehe Info-Box). «Wir fordern die Aufhebung sämtlicher Normen bezüglich Sexualität, Geschlecht und Familienmodell», so Vock. Dabei sollen auch neue, «homosexistische» Normen ge-sprengt werden: «Zum Beispiel die Norm, dass homosexuelle Männer immer gut angezogen sein müssen.»
Familien ohne Verwandtschaft
Unter anderem fordern die GaynossInnen, dass:
die Geschlechterbegriffe «männlich» und «weiblich» aufgehoben werden.
die sexuelle Orientierung und Partnerschaftsbegriffe von jeglichen Normen befreit werden (z. B. Beziehungen mit mehr als zwei Beteiligten).
die Familie nicht mehr auf biologischer Verwandtschaft basiert, sondern als soziales Netzwerk ohne Norm funktioniert (ein Kind soll auch vier Eltern haben dürfen).