Neuste StudieIn den Schulen herrscht Dicke-Alarm
Die Schüler in den Städten Basel, Bern und Zürich sind unverändert dick. Hoffnung stecken Schulärzte in die Kindergärtler - und eine Vollkorn-Diät.

«In gewissen Altersgruppen sind die Ausländer doppelt so häufig von Übergewicht betroffen wie Schweizer», sagt Thomas Steffen, Facharzt für für Prävention und Gesundheit in Basel Stadt.
Jedes fünfte Kind in den Städten Basel, Bern und Zürich ist übergewichtig. Knapp fünf Prozent sind sogar fettleibig. Die Zahlen sind seit Jahren auf unverändert hohem Niveau. Dies zeigen neueste Auswertungen der schulärztlichen Dienste der drei Städte, die im Auftrag von Gesundheitsförderung Schweiz seit vier Jahren vergleichend ausgewertet werden. «Ein Fünftel übergewichtiger Kinder ist gravierend», sagt Günter Ackermann, Leiter des Monitorigs von der Gesundheitsförderung Schweiz.
Erste Erfolge der Äpfel- und Vollkornbrötli-Znüni zeigen sich aber bei den Kindergärtlern: Dort gibt es immer weniger Übergewichtige. «Ob es sich um einen klaren Trend handelt, wird sich erst in einigen Jahren zeigen», sagt Ackermann. Immerhin scheint der Anteil übergewichtiger Kinder auf allen Stufen gegenwärtig nicht mehr dramatisch anzusteigen.
Basler Kinder sehr unterschiedlich dick
Das Problem Übergewicht ist aber vor allem in Basel nicht wegzureden. Während in den Basler Kindergärten weniger Kinder übergewichtig sind als in Bern und Zürich, sind Baslers Schüler im Vergleich besonders dick. «Bei den Kindergärtlern sind wir am längsten und flächendeckend mit Präventionsaktionen aktiv. So haben wir in allen Kindergärten den 'gesunden Znüni' eingeführt und auf das Bewegungsförderungskonzept 'Burzelbaum' umgestellt», sagt Thomas Steffen, Facharzt für Prävention und Gesundheit in Basel Stadt.
Trotzdem ist die Situation bei den älteren Kindern alarmierend. Sind bei Kindergärtlern «nur» rund 12 Prozent übergewichtig, sind es bei den Unter-/Mittelstufenschülern 23 Prozent und bei den Oberstufenschülern bis zu 26 Prozent – also schon fast jeder Dritte. Buben sind etwas mehr betroffen als Mädchen. «In den höheren Schulstufen ist die Förderung der gesunden Ernährung und Bewegung noch im Aufbau, aber wir rechnen in den nächsten Jahren mit einem ähnlichen Rückgangstrend», sagt Steffen
Dabei fällt auf: Dicke Kinder kommen zu einem grossen Teil aus Familien mit Migrationshintergrund. «In gewissen Altersgruppen sind die Ausländer doppelt so häufig von Übergewicht betroffen wie Schweizer», sagt Steffen. Die gesunde Ernährung habe in armen Familien oft wegen dringender Probleme keinen grossen Stellenwert. «Zudem sind in diesen Gruppen die «westlichen Errungenschaften» wie Fastfood und Softdrinks ausserordentlich beliebt», sagt Steffen. Ebenfalls wohnen ärmere Familien oft in Siedlungen, die den Kindern wenig Platz zum Spielen und Bewegen an der frischen Luft lassen.
Berner Kinder haben weniger auf den Rippen als Zürcher und Basler
Am besten schneidet im Ranking der Städte Bern ab. Dort sind rund 13 Prozent der Kinder übergewichtig und vier Prozent fettleibig. In Zürich dagegen sind es ähnlich viele wie in Basel: 15 Prozent sind übergewichtig, fünf Prozent fettleibig.
Von den drei untersuchten Städten auf vergleichbare Entwicklungen in anderen Landesteilen zu schliessen ist nicht möglich. «Erste Resultate aus den Kantonen Graubünden, Jura, Wallis und Genf deuten darauf hin, dass das Problem zwar in ländlichen Regionen ebenfalls existiert, dort aber ein geringerer Anteil von Kindern betroffen ist», sagt Ackermann.