Kanaken-GedichtSVP-Nationalrat reimt gegen Bauern
Mit seinem Gedicht über Kanaken schenkt SVP-Nationalrat Oskar Freysinger der Welt seinen nächsten Erguss. Das Werk richte sich aber nicht gegen südländische Ausländer, sondern gegen russische Grossbauern. Gemeint hat er allerdings Clochards. Hauptsache sei aber eh, dass es sich reimt.
Es hing am Laken des Kanaken
Ein ganzes Heer von Kakerlaken,
denn lebt wer in der eignen Kacke
entspricht das sehr deren Geschmacke,
Sie schreiten krabbelnd zur Attacke
Und zeigen jedem faulen Sacke,
Der faul sich räkelt in der Schlacke,
den Ausweg aus seiner Baracke.
Das obige Gedicht ist nicht etwa der lyrische Erguss einer inzwischen verbotenen Skinheadband, sondern das Werk des Walliser SVP-Nationalrats Oscar Freysinger. Dabei handelt es sich nicht um ein peinliches, längst vergessenes Frühwerk, sondern um ein neues, in dieser Woche in der Gratiszeitung «.ch» veröffentlichtes Gedicht.
«Nicht mein bestes Gedicht»
Peinlich? - Peinlich ist Freysinger das Gedicht nicht. Die einzelnen Passagen zitiert er nochmal am Telefon, nicht ohne Stolz. «Es ist nicht mein bestes Gedicht, aber es reimt sich doch nicht schlecht», sagt er gegenüber 20 Minuten Online.
Der Lyriker, der unter anderem der Welt die Zeile «Dornwittchens klitzekleines Fuzzi ist wohl zu eng für Bortoluzzi» schenkte, hat sich nach eigener Aussage nichts Rassistisches dabei gedacht. «Es ging mir nie darum, gegen Ausländer zu schiessen», erklärt er seinen «.ch»-Beitrag. Zudem habe er nie «Kanake» geschrieben, sondern «Kulake»: «Ich habe extra noch einmal nachgeschaut. In meinem Computer steht Kulake.» Entschuldigen will er sich für den Reim deshalb nicht.
«Es ging mir nur um das Wortspiel»
«Kulake»? Der Begriff wurde in der Sowjetunion während der Terrorjahre der Stalinzeit als Propagandabegriff eingesetzt, um landbesitzende Bauern zu diffamieren. Ein SVP-Nationalrat, der Bauern als ideale Kakerlakenwirte bezeichnet, und als sich räkelnde faule Säcke? Freysinger selbst sagt, er habe damit eigentlich «Clochard» sagen wollen. Sogar den Duden habe er kontaktiert: «Aber es ging mir sowieso nur um das Wortspiel». Dichten und Denken hat bei Freysinger scheinbar nur in Ausnahmefällen etwas miteinander zu tun. Einen letzten Klärungsversuch unternimmt er noch: Der Artikel sei unvollständig, wenn das Gedicht «ohne die dazugehörende Moral» veröffentlicht würde. Und die heisst, gemäss seinem Schreiben an 20 Minuten Online folgendermassen:
«Die kackend in den Laken lagen,
kamen die Kakerlaken plagen.»
Damit sollte dann endgültig alles klar sein.