St. Gallen45 Minuten an der Katastrophe vorbei
Unglaubliches Glück in St. Gallen: Das Dach einer Turnhalle stürzte nur 45 Minuten vor der ersten Turnstunde ein. 80 Schüler kamen mit dem Schrecken davon.
Glück im Unglück: Der Einsturz des Turnhallendaches in St. Gallen geschah nur 45 Minuten vor der ersten Turnlektion. 80 Schüler wären unter den tonnenschweren Massen begraben worden, wie der Rektor der Gewerbeschule Riethüsli, Lukas Reichle, an einer Medienkonferenz der St. Galler Polizei mitteilte. Glücklicherweise fiel dem Einsturz aber niemand zum Opfer, wie die Polizei bekannt gab.
Ein Angestellter des Unterhaltsdienstes war um 6 Uhr durch das Donnern des Einsturzes aufmerksam geworden und hatte Alarm geschlagen, wie Polizeisprecher Hans Peter Eugster mitteilte. Medienberichten zufolge sei das Dach unter der Schneelast eingebrochen. Das konnte Eugster allerdings nicht bestätigen: «Genauere Aussagen über den Grund des Einsturzes sind erst möglich, wenn eine Prüfung stattgefunden hat», so Eugster. Alle anderen Aussagen seien im Moment blosse Vermutungen. Für den Kantonsbaumeister Werner Binotto bleibt der Einsturz ein Rätsel. «Auf dem Dach lagen 45 Zentimeter Schnee, konstruiert ist es aber für wesentlich mehr», so Binotto an der Medienkonferenz. Sicherheitshalber wurden aber als Sofortmassnahme alle zwölf Turnhallendächer im Kanton vom Schnee befreit. Nicht auszuschliessen sei aber gemäss Binotto, dass der sumpfige Untergrund auf welchem die Halle gebaut wurde, einen Einfluss gehabt habe.
Architekt wusste noch nichts vom Einsturz
Der Geschäftsführer des ausführenden Architekturbüros* war vollkommen überrascht, als ihn 20 Minuten Online am Morgen über den Vorfall informierte. «Um Gottes Willen, das darf nicht wahr sein», sagte der sichtlich bestürzte Architekt. Die mögliche Schneelast als Ursache konnte er sich nicht vorstellen. «So viel Schnee hat es doch gar nicht gegeben», so der Architekt. Er werde sich aber gleich über das Ereignis informieren und alles daran setzen, den Vorfall aufzuklären. «Das ist unglaublich, ich kann mir das gar nicht vorstellen», so der Architekt weiter. Für Erleichterung sorgte die Tatsache, dass bisher keine Verletzten bekannt sind: «Gott sei Dank, hoffentlich bleibt es auch bei dem.»
Halle war billiger als budgetiert
Die Dreifach-Sporthalle wurde im Juli 2006 eröffnet, war nach Minergie-Standards gebaut worden und soll rund 600 000 Franken billiger gewesen sein als budgetiert, wie das St. Galler Tagblatt Online schreibt. Die Gesamtkosten für den Neubau beliefen sich auf rund 12,5 Millionen Franken; der Bund zahlte 2,5 Millionen Franken.
Die Halle ist 50 Meter lang, 26 Meter breit und rund 10 Meter hoch. Sie gehört zum Gewerblichen und Berufs- und Weiterbildungszentrum (GBS) Riethüsli.
*Name der Redaktion bekannt
(amc/whr/sda)
Tote bei Deckeneinstürzen
Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn sich in der Turnhalle in St. Gallen Schulklassen aufgehalten hätten. Erinnerungen an tragische Ereignisse werden wach.
Am Abend des 9. Mai 1985 stürzte im Hallenbad Uster die rund 200 Tonnen schwere Decke ein. Zwölf Menschen fanden dabei den Tod. Baumängel waren der Grund für den Einsturz. Das Bad war 1972 eröffnet worden, dreizehn Jahre später waren 108 der insgesamt 207 Aufhängebügel der Hallendecke gebrochen.
15 Menschen sind bei dem Einsturz der Eissporthalle im deutschen Bad Reichenhall 2006 ums Leben gekommen, sie war damals unter dem enormen Gewicht der Schneemassen zusammengebrochen.
Im November 2004 Stürzte die Decke einer Tiefgarage im solothurnischen Gretzenbach ein. Dabei fanden sieben Feuerwehrleute den Tod.