«50 Prozent der Ernte geht verloren»

Aktualisiert

Die grosse Wasserkrise«50 Prozent der Ernte geht verloren»

Wir wüssten eigentlich genau, wie wir gegen Trinkwassermangel vorgehen und die Verschwendung stoppen müssten. Aber wir tun viel zu wenig. Dies sagt der Direktor des Stockholm International Water Institute, Anders Berntell.

Marc Bodmer
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Marc Bodmer

Der weltweite Verbrauch von Trinkwasser hat sich in den letzten 50 Jahren verdreifacht und wird – wie die Weltbevölkerung und die wirtschaftliche Entwicklung – weiter wachsen. Auf der anderen Seite nehmen die Trinkwasser-Reserven ab. Sind wir in einem Teufelskreis gefangen?

Anders Berntell: Das hängt von der Region ab. In gewissen Regionen wird sich die Krisensituation weiter zuspitzen, in erster Linie auf Grund der demografischen Veränderungen. Darüber hinaus werden die bevorstehenden klimatischen Veränderungen ihren Teil dazu beitragen.

Grosse Städte wie Los Angeles und Mexiko City haben schon heute gravierende Probleme mit der Wasserversorgung und haben das Grundwasser angezapft, dessen Spiegel gefährlich tief ist. Was kann gemacht werden, um diesen Trend aufzuhalten?

Berntell: In gewissen Städten wurden bereits Massnahmen ergriffen. Der Wasserverbrauch sinkt und der Wirkungsgrad steigt. Neue Wege, um Wasser wieder zu verwenden, kommen in der Landwirtschaft und bei der Bewässerung von Parks zum Einsatz. Es wird auch Schmutzwasser mit neusten Methoden aufbereitet und zurück gepumpt, um den Grundwasserspiegel wieder zu heben oder um gleich als Trinkwasser verwendet zu werden.

1,1 Milliarden Menschen haben kein sauberes Trinkwasser. 2,6 Milliarden haben nur mangelhafte sanitäre Einrichtungen. Was wird unternommen, um diese Situation zu ändern?

Berntell: Viel zu wenig. Und das Tragische daran ist, dass wir wissen, was man machen müsste und wie. Es mangelt letztendlich am Willen. Es braucht Politiker an der Spitze von Staaten und Ministerien, die die richtigen Prioritäten setzen. Es gibt aber auch eine Verantwortung auf der Ebene der einzelnen Haushalte, für die Väter, dass sie die sanitären Bedürfnisse ihrer Familien ernst nehmen.

Hätte der Westen nicht auch etwas davon, wenn die sanitären Bedingungen sich global verbessern würden?

Berntell: Aber sicher. Die Schätzungen variieren, aber für jeden investierten US-Dollar in sanitäre Einrichtungen und Hygiene würden für die Allgemeinheit zwischen 7 bis 34 US-Dollar herausschauen, im Hinblick auf ersparte Gesundheitskosten, weniger Krankheitsabsenzen bei der Arbeit und der Zeit, die benötigt wird, um einen sicheres «stilles Örtchen» zu finden.

Ein Mensch verbraucht zwischen 50 bis 100 Liter Wasser im Tag. Zählt man Nahrungsmittel dazu, so sind es 3500 Liter pro Tag. Um einen Big-Mac-Hamburger zu produzieren, braucht es 1000 Liter Wasser. Gibt es Wege, um diesen ungeheuren Verbrauch zu verringern?

Berntell: Es gibt verschiedene Wege. Aber als erstes muss man wissen, dass es eine Grundmenge von Wasser gibt, um ein bestimmtes Nahrungsmittel zu produzieren, da die Nutzpflanzen selber ein Minimum an Wasser verlangen, um zu wachsen. Aber jenseits davon kann die Effizienz in der Landwirtschaft mit verbesserten Anbaumethoden deutlich zulegen. Wir können auch die Verluste in der Nahrungskette vom Feld bis zur Gabel verringern. Schätzungen gehen davon aus, dass 50 Prozent der produzierten Nahrung auf diesem Weg verloren geht. Würde man diese Verluste verringern, könnte man 25 Prozent des Wassers der Lebensmittelproduktion sparen. Und: Wir könnten unseren Wasserverbrauch verringern, wenn wir eine weniger wasserintensive Diät wählen würden.

Wasser ist lebensnotwendig und unersetzlich. Darf ein solches Produkt an der Börse gehandelt werden?

Berntell: Wasser ist lebensnotwendig und schon heute ein kostbares Gut mit einem hohen Preis, zum Beispiel für die Slum-Bewohner rund um den Globus, die ihr Wasser von privaten Wasserhändlern kaufen müssen. Wir müssen Wasser allen zugänglich machen und zwar in Mengen, die ihren Tagesbedarf decken, zu einem erschwinglichen Preis und in einer entsprechenden Qualität.

Anders Berntell, Direktor des Stockholm International Water Institute, wird an der 4. European Futurists Conference Lucerne, 26.–28. Oktober 2008, im Kultur- und Kongresszentrum Luzern zur weltweiten Wasserkrise sprechen. Mehr Informationen unter www.european-futurists.orgIm wird sich Roland Kaestner, Oberst im Generalstab und Leiter des Bereiches Strategische Zukunftsanalyse am Zentrum für Transformation der Bundeswehr, zum Wandel der Kriegsführung im Zeitalter der Globalisierung äussern.

Anders Berntell, Direktor des Stockholm International Water Institute, wird an der 4. European Futurists Conference Lucerne, 26.–28. Oktober 2008, im Kultur- und Kongresszentrum Luzern zur weltweiten Wasserkrise sprechen. Mehr Informationen unter www.european-futurists.orgIm wird sich Roland Kaestner, Oberst im Generalstab und Leiter des Bereiches Strategische Zukunftsanalyse am Zentrum für Transformation der Bundeswehr, zum Wandel der Kriegsführung im Zeitalter der Globalisierung äussern.

Anders Berntell, Direktor des Stockholm International Water Institute, wird an der 4. European Futurists Conference Lucerne, 26.–28. Oktober 2008, im Kultur- und Kongresszentrum Luzern zur weltweiten Wasserkrise sprechen. Mehr Informationen unter www.european-futurists.orgIm wird sich Roland Kaestner, Oberst im Generalstab und Leiter des Bereiches Strategische Zukunftsanalyse am Zentrum für Transformation der Bundeswehr, zum Wandel der Kriegsführung im Zeitalter der Globalisierung äussern.

Anders Berntell, Direktor des Stockholm International Water Institute, wird an der 4. European Futurists Conference Lucerne, 26.–28. Oktober 2008, im Kultur- und Kongresszentrum Luzern zur weltweiten Wasserkrise sprechen. Mehr Informationen unter www.european-futurists.orgIm wird sich Roland Kaestner, Oberst im Generalstab und Leiter des Bereiches Strategische Zukunftsanalyse am Zentrum für Transformation der Bundeswehr, zum Wandel der Kriegsführung im Zeitalter der Globalisierung äussern.

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