Erster WeltkriegMussolini war britischer Agent
Benito Mussolini, der Italien als «Duce» im Bündnis mit Nazi-Deutschland in den Zweiten Weltkrieg führte, hat im Ersten Weltkrieg für den britischen Geheimdienst MI5 gearbeitet.
Dafür sei der spätere italienische Diktator 1917 geradezu fürstlich bezahlt worden: 100 Pfund die Woche, berichtete die Londoner Zeitung «The Guardian» am Mittwoch unter Berufung auf den britischen Historiker Peter Martland. Das entspricht heute einem Wochenlohn von 6000 Pfund (rund 10 400 Franken).
Martland fand die Angaben über Mussolinis Agentenlohn in Unterlagen des verstorbenen Einsatzleiters für britische Spione in Rom im Ersten Weltkrieg, Samuel Hoare. Hoare hatte schon vor 55 Jahren in seinen Memoiren geschrieben, dass der spätere Führer der italienischen Faschisten im Ersten Weltkrieg britischer Agent gewesen sei. Das Detail über die Höhe seiner Bezahlung wurde nun in einem Buch über den britischen Geheimdienst MI5 von Christopher Andrew veröffentlicht, bei dem Martland mitgearbeitet habe.
Vom Sozialisten zum «Verräter»
Mussolini, der als Sozialist zu Beginn des Krieges im August 1914 offiziell noch gegen die Kriegsteilnahme Italiens eintrat, änderte seine Position schon im September 1914. Er gründete die Zeitung «Il Popolo d'Italia», die für den Kriegseintritt Italiens auf Seite der Entente warb und wurde in der Folge aus der Sozialistischen Partei ausgeschlossen. Seine Parteifreunde warfen ihm vor — nicht zu Unrecht, wie sich erst jetzt herausstellt —, ein von den Westmächten bestochener Verräter des Sozialismus zu sein. (dhr/dapd)