LuzernEin Blick hinter die Scientology-Kulissen
Helen Galliker hat sich für ihre Maturaarbeit über Scientology in die Höhle des Löwen gewagt. Für ihre Arbeit gewann sie jetzt den Luzerner Religionspreis.

Helen Galliker hat Scientology unter die Lupe genommen.
«Ich interessiere mich schon lange für Sekten und finde es spannend, wie populär Scientology trotz ihrer viel kritisierten Methoden ist», sagt Maturandin Helen Galliker aus Luzern. Für ihre Maturaarbeit hat die 18-Jährige die zentrale Scientology-Technik, das so genannte Auditing, selber getestet. «Damit sollen die Menschen von negativen Spannungen befreit werden», erklärt Galliker. Als Hilfsmittel bei den Auditing-Gesprächen dient das E-Meter. «Ich musste zwei Elektroden in den Händen halten und dabei etwas Negatives denken», so die 18-Jährige.
Beim ersten Versuch habe das E-Meter ausgeschlagen, beim zweiten Mal nicht. Das sei laut der Versuchsbegleiterin von Scientology normal, so Galliker. «Mir bestätigte der Selbstversuch allerdings die Kritik, dass Scientology die Resultate so auslegt, wie es ihnen passt.»
Die Maturandin nahm die Methode zudem mit einem Psychologen unter die Lupe. Das Fazit ihrer Arbeit: «Auditing ist keine therapeutische Methode, sondern eine Geldmacherei.» Scientology widerspricht vehement: «Was hier beschrieben wurde, war allenfalls eine Demonstration», sagt Sprecherin Annette Klug. «Der Selbstversuch kann nicht beweisen, ob Auditing funktioniert».
Galliker wurde für ihre Maturaarbeit mit dem Luzerner Religionspreis 2010 ausgezeichnet. Ihre unvoreingenommene Haltung, der originelle Zugang zum Thema und die gründliche Analyse seien beeindruckend, schreibt die Jury in ihrem gestern veröffentlichten Urteil.