Zürich, Sihlquai«Ohne Gummi? Keine Chance!»
Billigpreise und Sex ohne Gummi: Berichte über den Zürcher Strich zeichnen ein trauriges Bild. 20 Minuten Online wollte es genau wissen - und hat Erstaunliches erlebt.
Noch bevor es eindunkelt, haben sich am Sihlquai die Figuren versammelt, welche die Zürcher Strasse zum öffentlichen Thema machen. Die Nachfrage: Autos, die aus der feierabendlichen Blechkolonne Richtung Hauptbahnhof ausscheren und am Bordstein parkieren. Und verschämt wirkende Männer mit den Händen im Hosensack, die sich neben Bäumen und Pfosten postieren und das Angebot betrachten.
Das Angebot: Frauen, am Strassenrand aufgereiht. Sie stehen alleine oder in kleinen Grüppchen. Es gibt kleine Blonde und grosse Schwarzhaarige. Es gibt solche, die telefonieren und mögliche Kunden vorbeiwinken, es gibt solche, die sich fast über die Hauben der vorbeifahrenden Autos lehnen. Die einen tragen trotz der Kühle Pumps und glitzernde Strapsen, die andern haben sich einen Kapuzenpullover übergezogen.
«Blasen 50, Ficken 80»
Das Sihlquai gilt als die billigste Sexmeile in Zürich, seit der Personenfreizügigkeit wird der traditionelle Drogenstrich vom Zustrom osteuropäischer Prostituierten verdrängt. Der Preisdruck sei dermassen hoch, dass Sex für 20 Franken zu haben sei, hiess es schon in Medienberichten. Und die Prostituierten würden Freier gleich im nächsten Gebüsch oder auf dem nächsten Parkplatz befriedigen. 20 Minuten Online wollte wissen, ob das tatsächlich so ist.
Fragt man nach Sex ohne Gummi, kommt ein entrüstetes «Nein» zurück. Bietet man einen höheren Preis an, heisst es: «Nicht für hunderttausend Franken!» Auch vom Preisdumping ist wenig zu spüren. Am Sihlquai scheint ein mehr oder weniger fester Tarif zu herrschen: «Blasen 50, Ficken 80, komplett 100.» Darunter läuft nichts.
«Gesundheits- und preisbewusst»
Die Prostituierten-Anlaufstelle Flora Dora ist am Sihlquai mit einem Bus stationiert. Eine Mitarbeiterin bestätigt den Befund: «Das mit dem Sex für 20 Franken ist eher ein Mythos. Die allermeisten Frauen hier sind gesundheits- und preisbewusst.»
Dafür, dass die Preise nicht ins Bodenlose fallen, dürften auch die Zuhälter sorgen, welche die meist ausländischen Prostituierten auf dem Strassenstrich unter der Knute haben. Sie bleiben an diesem Abend weitestgehend unsichtbar - bis auf einen. Mit seinem Offroader röstet er den Sihlquai entlang, den Ellbogen aus dem Fenster gestreckt. Alle paar Meter bremst er ab, die Frauen winken ihm zu, worauf er anerkennend jault und ruft: «Gut siehst du heute aus, Rebecca!»