Zürichs Stadtpräsident tritt überraschend zurück

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Elmar LedergerberZürichs Stadtpräsident tritt überraschend zurück

Der Zürcher Stadtpräsident Elmar Ledergerber hat an einer kurzfristig anberaumten Medienkonferenz in «eigener Sache» seinen vorzeitigen Rücktritt bekannt gegeben. Der Schritt kam auch für seine Partei, die SP, überraschend.

Interview: Adrian Müller/20 Minuten Online
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Rating: Wer soll Ledergerbers NachfolgerIn werden?

Der Zürcher Stadtpräsident Elmar Ledergerber gibt im kommenden Frühjahr frühzeitig sein Amt ab. Der 64-jährige Sozialdemokrat will sich vermehrt der Erziehung seines jüngsten Sohnes widmen, wie er am Mittwoch vor den Medien erklärte.

Mit seinem Rücktritt wartet Ledergerber nicht das Ende der Amtszeit ab, diese läuft erst im Frühling 2010 ab. Für seinen Entscheid gebe es weder gesundheitliche noch politische, sondern einzig familiäre Gründe, sagte Ledergerber.

Sein jüngster, noch nicht 16-jähriger Sohn brauche ihn. Er werde sich nun auf die Erziehungsverantwortung konzentrieren. Diese sei nicht vereinbar mit dem Amt als Stadtpräsident.

Auch SP überrascht

Er verlasse sein Amt «mit einem lachenden und einem weinenden Auge», sagte Ledergerber vor den Medien. Er freue sich jedoch auf seine neue Aufgabe, die bisher zu kurz gekommen sei.

Der Rücktritt kam auch für die SP Stadt Zürich überraschend, wie die Partei in einer Stellungsnahme schreibt.

Innerschweizer als Zürcher Stadtpräsident

Der 1944 in Engelberg im Kanton Obwalden geborene und aufgewachsene Ledergerber wurde 2002 als Nachfolger des ebenfalls aus der Innerschweiz stammenden Josef Estermann zum Stadtpräsidenten gewählt und 2006 im Amt bestätigt. Zuvor hatte er dem Zürcher Kantonsparlament angehört und war von 1998 bis 2002 als Nachfolger der umstrittenen SP-Stadträtin Ursula Koch Mitglied der Stadtregierung und Chef des städtischen Hochbaudepartementes. Von 1987 bis 1998 hatte Ledergerber dem Nationalrat angehört. Dieses Mandat musste er wegen der «Lex Wagner» aufgeben, die Mitgliedern der Stadtzürcher Exekutive ein Doppelmandat auf eidgenössischer Ebene verbietet.

Kämpfer für Stadien

In Ledergerbers Amtszeit als Stadtrat und Stadtpräsident fiel unter anderem die bereits von Koch eingeleitete Umnutzung der Industriegebiete im Stadtquartier Oerlikon sowie jene in Zürich-West. Mit Nachdruck setzte er sich auch für das noch nicht realisierte Projekt eines neuen Sportstadions anstelle des baufälligen Hardturmstadions ein. Tatkräftig förderte er auch den Neubau des Letzigrund-Stadions im Hinblick auf die Fussball-Europameisterschaft Euro 08 im vergangenen Juni; es war ihm ein Herzensanliegen, dass Zürich einer der Austragungsorte wurde. Interimistisch war Ledergerber Verwaltungsratspräsident des Zürcher Schauspielhauses.

Umweltschutz- und Entwicklungspolitik

Vor seiner politischen Tätigkeit war der an der Universität St. Gallen HSG promovierte Ökonom unter anderem Teilhaber einer Planungs- und Geschäftsführer einer Beratungsfirma. Schon früh hatte er sich für Umweltschutz- und Entwicklungspolitik eingesetzt. Seit 1999 ist Ledergerber Präsident der Schweizer Entwicklungsorganisation Intercorporation und seit 2000 Delegierter des Stadtrats von Zürich im Verwaltungsrat der Flughafen Zürich AG (Unique).

Auf dem Glatteis

Immer wieder setzte sich Ledergerber mit losen Sprüchen in die Nesseln. Zu Reden gaben auch mehrere Stürze des begeisterten Velofahrers, der sich dabei jeweils einige Blessuren holte. Daneben fährt er Ski und segelt auf Binnenseen wie auf der Hochsee. Erst letzte Woche wurde Ledergerber von der Organisation City Mayors als zweitbester Stadtpräsident der Welt ausgezeichnet.

(whr/sda)

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