Dumpingpreise für Sex
Ungarische Prostituierte bieten Sex zu Dumpingpreisen an: Dieser «Ausverkauf» ist für Sexarbeiterinnen und Freier höchst gefährlich.
Zürich wird zurzeit von Prostituierten aus Ungarn überschwemmt. Mit Dumpingpreisen locken sie Freier am Sihlquai und an der Langstrasse an: Sex gibts bereits ab 30 Franken, wer etwas drauflegt, darf auch ohne Gummi. «Durch das Überangebot kämpfen die Frauen ums finanzielle Überleben und vergessen die Gefahren von Sex ohne Gummi», sagt die Ex-Prostituierte und Buchautorin Brigitte Obrist.
Die Geschlechtskrankheiten im Milieu nehmen dadurch zu, sagte Ursula Kocher von der Beratungsstelle Flora Dora gegenüber der «SonntagsZeitung». Auch Rolf Vieli von Langstrasse Plus bestätigt: «Prostituierte werben heute aggressiver um ihre Kunden.»
Die Frauen aus Ungarn stammen meist aus Roma-Familien und werden von ihren Vätern oder Brüdern an Zuhälter in die Schweiz verkauft. Laut Amt für Wirtschaft und Arbeit (AWA) hat sich die Zahl der «selbstständigen Dienstleistungserbringerinnen» im Kanton Zürich innert Jahresfrist von 217 auf 794 verdreifacht.
Rolf Vieli erkennt dringenden Handlungsbedarf auf dem Strassenstrich: «Wir arbeiten an diversen Projekten, um das ganze Milieu besser zu kontrollieren.» Problematisch sei, dass viele Ungarinnen kein Deutsch und Englisch verstehen.
David Torcasso
Strenges Verfahren
Seit dem 1. Juni 2007 wendet die Stadt ein strengeres Bewilligungsverfahren für Sexarbeiterinnen aus den neuen EU-Ländern an: Das Amt für Wirtschaft und Arbeit hat für Frauen aus Osteuropa die Hürden erhöht, legal in Sexsalons zu arbeiten. Als Folge davon bieten die Frauen ihre Dienste auf der Strasse an. Dort können sie den Preis und die Art ihrer Liebesdienste bestimmen, sind aber einem erhöhten Risiko ausgesetzt.