Corine Mauch «mit frischem Blick»

Aktualisiert

Erste FrauCorine Mauch «mit frischem Blick»

Nach der Wahl von Corine Mauch zur neuen Zürcher Stadtpräsidentin sind alle überrascht: Weder die beiden Kandidatinnen noch die Parteistrategen hätten eine so deutliche Wahl von Corine Mauch erwartet. Gründe: Die SVP-Basis habe den Boykott-Aufruf befolgt, die Linke sich besser mobilisieren lassen.

Erstmals steht eine Frau an der Spitze der grössten Schweizer Stadt: SP-Politikerin Corine Mauch wurde am Sonntag deutlich zur Zürcher Stadtpräsidentin gewählt. Das Nachsehen hatte FDP-Stadträtin Kathrin Martelli.

Die 48-jährige Mauch holte im zweiten Wahlgang vom Sonntag 41 745 Stimmen und lag damit klar vor Martelli, die 30 851 Stimmen erhielt. Die Politikerinnen zeigten sich überrascht von der Deutlichkeit des Resultats. Sie hätten mit einem knapperen Ergebnis gerechnet, sagten beide auf Anfrage.

Eine Wahl in dieser Deutlichkeit habe sie wirklich nicht erwartet, lachte eine glückliche Corine Mauch um 14.30 Uhr in die Kameras. Zwar fehlte da noch das Ergebnis eines Wahlkreises, die Wahl war aber längst gelaufen, als der Ende April zurücktretende Stadtpräsident Elmar Ledergerber seiner Nachfolgerin einen bunten Frühlingstrauss überreichte.

Mauchs «frischer Blick» - Martellis bittere Enttäuschung

Offenbar seien die Zürcher Stimmberechtigten zufrieden mit der von der SP geführten Regierung und fänden nicht, dass es an der Zeit sei, etwas zu ändern, sagte Mauch bescheiden. Sie wolle ab dem 1. Mai für eine «offene, dynamische, starke und solidarische Stadt» eintreten. Als Stadträtin, die es direkt auf den Präsidentensessel schaffte, bringe sie «einen frischen Blick» in die Stadtregierung.

Enttäuscht zeigte sich die unterlegene Kathrin Martelli. Die massive Niederlage habe sie überrascht nach der guten Ausgangslage aus dem ersten Wahlgang, räumte die FDP-Stadträtin ein. Sie müsse zur Kenntnis nehmen, dass die Stimmberechtigten nicht auf Bewährtes und Erfahrung setzten, sondern auf etwas Neues, sagte sie bitter.

Letzlich bilde das Wahlresultat aber nur die politischen Verhältnisse der Stadt Zürich ab. Trotz Niederlage will die Hochbauvorsteherin vorläufig im Stadtrat bleiben. Von einem sofortigen Rücktritt sei keine Rede. Ob sie nach 16 Jahren im Stadtrat in einem Jahr noch einmal anttrete, liess sie offen.

FDP-Stadtparteipräsident Urs Egger hatte trotz Aufrufs zum Wahlboykott durch die SVP-Spitze noch am Mittag für Martelli gute Wahlchancen gesehen. Für die deutliche Abfuhr machte er dann aber vor allem den «undemokratischen» Boykott der SVP verantwortlich. Irgendwelche Koalitionen mit der einstigen Bündnispartnerin seien jetzt definitiv vom Tisch, sagte Egger.

Lob vom SVP-Präsidenten für Mauch

Auch für die SVP ist eine Koalition mit der FDP im Hinblick auf 2010 kein Thema mehr, wie Stadtpräsident Rolf A. Siegenthaler auf Anfrage sagte. Die Partei wolle allein eine bürgerliche Alternative bilden. Martelli habe sich im ersten Wahlgang die Mehrheit verscherzt, weil sie nicht klarer zur SVP gestanden sei.

Bevor die Zusammenarbeit im bürgerlichen Lager wieder besser werde, müsse es nochmals deutlich schlechter werden. Bei der FDP werde es bei den nächsten Wahlen zu einer Flurbereinigung kommen, prophezeite Siegenthaler.

Laut Siegenthaler bildet das Wahlergebnis vom Sonntag die politischen Verhältnisse in Zürich mit linker Mehrheit ab. Corine Mauch von der SP sei zudem klar die bessere Kandidatin, sagte Siegenthaler weiter. Sie sei intellektueller und überzeugender gewesen.

Abtretender Stapi «rundum glücklich»

Für SP-Stadtparteipräsident Koni Loepfe ist der SVP-Wahlboykott nur einer von zwei Gründen für Mauchs Erfolg. Der SP sei es eindeutig besser als beim ersten Wahlgang gelungen, ihre Wählerschaft zu mobilisieren. Zudem habe die neue Stadtpräsidentin Corine Mauch während des Wahlkampfes an Profil gewonnen, sagte Loepfe weiter.

Mauch sei von einer guten Sachpolitikerin auch noch zu einer guten Wahlkämpferin geworden. Die SP habe bewiesen, dass sie auf Exekutivebene keine Probleme habe, ihren Willen beim Stimmvolk durchzusetzen. Mit Blick auf die Neuwahlen in einem Jahr machte er aber ein Fragezeichen für die Parlamentswahlen. Da werde die SP mehr Probleme haben, ihre aktuell 34 Prozent zu halten.

«Rundum glücklich» über den Wahlausgang zeigte sich schliesslich der scheidende Ledergerber: Es sei richtig und wichtig, dass die SP als mit Abstand grösste Stadtpartei auch künftig an der Regierungsspitze stehe. Auch wenn die Bedeutung des Stadtpräsidenten für die Stadtregierung oft überschätzt werde.

(sda)

Martelli enttäuscht und überrascht

FDP-Stadträtin Kathrin Martelli hat sich am Sonntag enttäuscht über ihre Niederlage im zweiten Wahlgang um das Zürcher Stadtpräsidium gezeigt. Sie sei überrascht von der Deutlichkeit, sagte Martelli auf Anfrage.

Martelli rechnete mit einem knapperen Resultat. Sie müsse aber zur Kenntnis nehmen, dass die Zürcher Stimmberechtigten nicht auf Bewährtes und Erfahrung setzten, sondern auf etwas Neues, sagte sie weiter.

Als Begründung für die Niederlage sagte Martelli, dass die Linke zusammengestanden sei und ihre Wählerschaft gut mobilisiert habe. Die Bürgerlichen seien nicht in der Lage gewesen, miteinander am gleichen Strick zu ziehen. Das Resultat bilde die politischen Verhältnisse der Stadt Zürich ab.

Für Martelli ist klar, dass sie keine SVP-Stimmen erhalten hat. Der SVP-Aufruf der Parteispitze zum Boykott habe funktioniert. Trotz Niederlage will die Hochbauvorsteherin vorläufig im Stadtrat bleiben. Von einem schnellen Rücktritt sei keine Rede. Wie es aber im Hinblick auf die Gesamterneuerungswahlen 2010 aussieht, lässt Martelli noch offen.

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