GeschworenengerichtHunger, Schläge und kalte Duschen
Mehr mit Folter- als mit Erziehungsmethoden haben drei Erwachsene im Zürcher Oberland zwei Mädchen aufgezogen. Heute stehen zwei von ihnen vor Gericht.

Kalte Duschen gehörten zu den Strafmethoden in der sektenartigen Gemeinschaft in Wila.
Sie wurden geprügelt, mussten hungrig ins Bett oder auf nacktem Boden schlafen: Zwei junge Mädchen aus dem Zürcher Oberland. Eines von ihnen überlebte die Grausamkeiten nicht. Zwei der Peiniger stehen ab heute vor dem Zürcher Geschworenengericht. Der heute 44-jährige Brite Mark W. und die 62-jährige Schweizerin Barbara N. sind der schweren Körperverletzung angeklagt. Sie sind beide nicht geständig.
Doch die Spuren an den Kindern sprechen eine klare Sprache: Die kleine Gabriela starb in der Nacht zum 10. Mai 2006 im Zürcher Kinderspital an einem Schütteltrauma. Sie war nicht ganz fünf Jahre alt, aber klein und leicht wie eine Zweijährige. Ihr kurzes Leben war geprägt von Quälereien und Angst, die Staatsanwalt Ulrich Weder in seiner Anklageschrift erläutert.
Sektenartige Gemeinschaft
Aufgezogen worden waren Gabriela und ihre drei Jahre ältere Halbschwester von ihrem gemeinsamen Vater Mark W. und den beiden Frauen Barbara N. und Lea K. in einer sektenartigen Gemeinschaft in Wila im Zürcher Tösstal.
Die Mütter hatten die Kinder schon als Babys dem Vater zur Erziehung überlassen. Das Wort Erziehung erscheint ob der Darstellungen in der Anklageschrift aber als Hohn. Gehorchten die Mädchen nicht aufs Wort, machten sie in die Hose oder erschienen trotzig, wurden sie körperlich und seelisch gequält.
«Quälmethoden» waren etwa Prügel, kalte Dusche oder auf nacktem Boden schlafen. Treppenlaufen während bis zu einer Stunde oder stundenlanges Stehen – manchmal die ganze Nacht lang – gehörten zu den üblichen Strafen. Häufig mussten die Kinder hungrig ins Bett und waren deshalb unterernährt.
Mark W. und Barbara N. drohen Freiheitsstrafen von bis zu zehn Jahren. Das Urteil wird voraussichtlich am 17. Dezember eröffnet.
Die heute 26-jährige Lea K., die die letzten, tödlichen Misshandlungen vorgenommen hat, steht im kommenden Jahr vor dem Zürcher Obergericht. Die Staatsanwaltschaft wirft ihr vorsätzliche Tötung vor. Wie die beiden anderen Angeklagten weist die Frau jegliche Schuld von sich.
20 Minuten Online berichtet laufend vom Prozess. (ann/sda)