FBI-MethodeTerror-Verdächtiger fällt auf Agentinnen rein
Khalil Abu-Rayyan (21) war verliebt, zuerst in Ghaada, dann in Jannah. Doch die Frauen, die er für Seelenverwandte hielt, waren in Wirklichkeit FBI-Agentinnen.

Khalil Abu-Rayyan (21) muss sich wegen illegalen Drogen- und Waffenbesitzes vor einem US-Gericht verantworten. (Bild: Polizei Wayne County)
Kein AnbieterDer 21-jährige Khalil Abu-Rayyan aus Wayne County im US-Staat Michigan stand vor wenigen Tagen wegen illegalen Drogen- und Waffenbesitzes vor Gericht. Wäre es jedoch nach dem Willen des FBI gegangen, wäre der junge Mann, der 70 Stunden pro Woche als Pizzakurier arbeitet, wegen Terrorismus angeklagt. Nur konnte das FBI dem Mann das bis heute nicht nachweisen.
Während der Anhörung schilderte Rayyans Anwalt, Todd Shanker, wie Agenten der US-Bundespolizei immer wieder versucht hätten, seinen Mandanten zu einem Terror-Verdächtigen zu machen. Rayyan war ins Visier der Behörden geraten, nachdem er auf sozialen Netzwerken ein Video der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) geteilt hatte, in dem Menschen von Gebäuden gestossen werden. Er hatte das Video sogar kommentiert: «Danke Mann, du hast mir den Tag gerettet.»
Rayyan wollte nur angeben
Das FBI fand heraus, dass Rayyan, ein nicht vorbestrafter, muslimischer US-Bürger, auf der Suche nach einer Ehefrau war. Die Behörde setzte eine Frau namens Ghaada, eine Muslimin pakistanischer Herkunft, auf ihn an. Die beiden chatteten oft und sprachen über Hochzeit und Kinder. Ghaada beendete allerdings im Dezember die Online-Beziehung. Rayyan war verzweifelt und hatte Liebeskummer. Er dachte über Selbstmord nach.
Dann trat die zweite Phase des FBI-Plans in Kraft: Die Bundespolizei brachte eine neue potentielle Ehefrau ins Spiel: Jannah Bride. Die angeblich 19-jährige sunnitische Muslimin sollte dem mutmasslichen IS-Anhänger Informationen über mögliche Anschlagspläne entlocken.
Ein Gesprächsmitschnitt zwischen der FBI-Beamtin und dem 21-Jährigen zeigt, wie der Sicherheitsdienst Rayyan manipulierte:
«Ärgern dich diese Ungläubige nicht?», fragte die FBI-Agentin am 8. Januar. Die Antwort des jungen Mannes: «Ja, die am meisten. Die sollte man köpfen.» In weiteren Gespächen erzählte er Jannah, dass er zuhause eine Kalaschnikow und Munition habe und einen Anschlag auf eine grosse Kirche in Detroit plane.
Wie sich Wochen später während einer Hausdurchsuchung herausstellte, besass Rayyan weder eine AK-47 noch Munition. Die Polizei fand nur eine kleine Pistole, die er während seiner Arbeit als Pizzakurier bei sich trug, und eine kleine Menge Marihuana. Hinweise, die auf einen konkreten Anschlagsplan deuten könnten, fanden die Ermittler keine. Offenbar hatte der verunsicherte junge Mann damals nur versucht, seiner Online-Bekanntschaft zu imponieren.
Das FBI will Angst generieren
Auf Jannahs Provokationen fiel Rayyan nie rein, schreibt «Detroit Free Press». Als sie einmal fragte, ob er seine Wut nicht gerne gegen andere Menschen richten würde, sagte er: «Ich möchte nicht andere verletzen. Wenn ich mir etwas antue, dann wäre es auch einfacher. Ich würde keine Schwierigkeiten haben.»
Rayyans Anwalt sagte vor Gericht: «Die Regierung hat meinen Klienten ausgenutzt und versucht, ihm Terrorismus als eine vor Gott akzeptable Form des Selbstmordes schmackhaft zu machen.» Auch die Familie des jungen Mannes ist über die fragwürdige Vorgehensweise des FBI empört: «Sie haben mit Khalil dieses Spielchen gespielt, um damit ihre Löhne zu rechtfertigen. Alles, was sie erreichen wollen, ist Angst zu machen. Angst, Angst, Angst.»
Eines der Gespräche zwischen Khalil und Jannah. (Quelle: Soundcloud/firtlookmedia)