Elfenbeinküste22 Tote nach Angriff auf Touristenresort
Schwerbewaffnete haben in der Elfenbeinküste drei Hotels und einen Strand angegriffen und 16 Menschen getötet. Offenbar stecken Islamisten dahinter – sechs von ihnen sind ebenfalls tot.

Zahlreiche Zivilisten und sechs Angreifer unter den Toten: Sicherheitsleute postieren sich vor dem Hotelgelände. (13. März 2016)
AFP/Issouf SanogoErst Tunesien, dann Mali und Burkina Faso – jetzt traf es die Elfenbeinküste: Wieder werden Hotelbesucher in Afrika Opfer eines bewaffneten Angriffs. Offenbar stecken Islamisten dahinter.
Bei Angriffen auf Urlauber an drei Strandhotels in der Elfenbeinküste sind heute mindestens 22 Menschen getötet worden. Darunter seien 14 Zivilisten, zwei Angehörige einer Spezialeinheit und sechs Angreifer, erklärte Präsident Alassane Ouattara am Abend.
Unter den Opfern befindet sich auch eine deutsche Frau. Es handelt sich dabei um die Leiterin des Goethe-Instituts in Abidjan. Dies erfuhr die Nachrichtenagentur AFP am Montag von einem Mitarbeiter des Instituts, der anonym bleiben wollte.
Präsident drückt sein Beileid aus
Alassane Ouattara reiste in die Stadt und sagte, er habe die verschiedenen Hotels aufgesucht, um sein Beileid zu übermitteln und den Sicherheitskräften für ihre rasche Reaktion zu danken. Nach offiziellen Angaben wurden sechs Angreifer «neutralisiert».
Nachdem Augenzeugen berichtet hatten, die Angreifer hätten «Allahu Akbar» (Gott ist gross) gerufen, sind auch Experten der Ansicht, dass die Terrorgruppe al-Qaida im Islamischen Maghreb hinter der Attacke im Urlaubsort Grand-Bassam steckt. Die Website, die sich auf die Beobachtung von Jihadisten spezialisiert, fand das Bekennerschreiben im Internet. Es feiere drei der Attentäter als «Helden», hiess es.
Ein Augenzeuge berichtete, wie mehrere schwer bewaffnete Angreifer zunächst am Strand des Badeorts das Feuer auf Badegäste eröffneten. Offenbar setzten die vermummten Männer anschliessend ihre Angriffe auf die angrenzenden Hotels im französischen Viertel des Orts fort.
Einwohner versteckten sich in ihren Häusern
In sozialen Netzwerken verbreiteten sich Bilder von Opfern am Strand. Neben dem Hotel Etoile du Sud sahen Zeugen vier Leichen. Hotelbesitzer Jacques Able sagte, mindestens eine Person sei im Hotel getötet worden. Unter den Opfern war nach Angaben des französischen Präsidenten François Hollande auch mindestens ein Franzose. Hollande verurteilte den «feigen» Angriff scharf. Er sicherte den ivorischen Behörden Frankreichs Unterstützung bei der Suche nach den Tätern und den Hintermännern zu.
Ein Zeuge berichtete von mindestens vier Attentätern mit Kalaschnikow-Gewehren am Strand. Einer habe sich an zwei Kinder gewandt und dabei Arabisch gesprochen. Ein Kind habe sich niedergekniet und gebetet, das andere sei erschossen worden.
Schon am Nachmittag berichtete die 25-jährige Josiane Sekongo, wegen des Gewehrfeuers sei sie aus ihrem Gebäude in der Nähe der Strandpromenade gekommen und habe Menschen vom Strand fliehen sehen. Einwohner der Stadt hätten sich in ihren Häusern versteckt.
USA bieten Hilfe an
Auf Facebook schrieb ein User, dass das Innenministerium und der Sicherheitsrat alle ivorischen Bewohner und besonders die Ausländer aufgefordert hätten, zu Hause zu bleiben. Der Angriff auf Grand-Bassam hätte einer amerikanischen Delegation gegolten.
Washington hat die Terrorattacke auf Strandurlauber in der Elfenbeinküste scharf verurteilt. Die «Gedanken und Gebete der USA sind bei all den Betroffenen dieser sinnlosen Gewalt», teilte Aussenamtssprecher John Kirby am Sonntagabend mit. Sein Land sei bereit, die Regierung der Elfenbeinküste bei den Ermittlungen zu «dieser heimtückischen Attacke» zu unterstützen. Für die USA sei die Elfenbeinküste ein wichtiger regionaler Partner, sagte Kirby weiter.
EDA klärt ab
Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) hat Kenntnis vom Vorfall. Die Schweizer Vertretung in Abidjan stehe in Kontakt mit den lokalen Behörden, sagt EDA-Sprecher Tilman Renz auf Anfrage. Es seien Abklärungen im Gang, ob auch Schweizer Staatsangehörige von diesem Angriff betroffen seien.
Grand-Bassam liegt rund 40 Kilometer östlich des Wirtschaftszentrums Abidjan. Es ist ein beliebtes Ausflugsziel für Ivorer und Ausländer.
Bei Angriffen von Extremisten auf bei Ausländern beliebten Hotels in zwei anderen westafrikanischen Ländern – Mali im November und Burkina Faso im Januar – waren Dutzende Menschen getötet worden. Im Juni 2015 hatte ein Islamist in Tunesien ebenfalls am Strand 38 Menschen getötet.
Al-Qaida-Experte Lemine Ould M. Salem sagte, er habe immer gesagt, die nächsten Ziele für Jihadisten seien die Elfenbeinküste und Senegal, weil diese beiden Länder Fenster Richtung Frankreich seien. Die Angreifer könnten von Mokhtar Belmokhtars Jihadistengruppe al-Mourabitoun stammen, aber auch die Terrorgruppe Boko Haram könnte hinter dem Anschlag stecken.
(nag/chk/sda/afp)