FrankreichFrau mit Baby treibt Bewaffneten in die Flucht
Ein Räuber hält einer Kioskbesitzerin eine Pistole ins Gesicht. Doch die Frau lässt sich nicht einschüchtern.
Vergangene Freitagnacht war es ruhig im französischen Dörfchen Champ-du-Boult – bis ein Mann mit Sturmmaske und Feuerwaffe die Kiosk-Bar Le Bocage Normand betrat. Das Video der Überwachungskamera zeigt, was dann geschah.
Lokalbesitzerin Nathalie Leclerc-Pelan hält das Baby einer Kundin auf dem Arm und will sich gerade auf einen Stuhl setzen, als der Maskierte gegen 22.30 Uhr zur Tür hereinstürmt. Erst nimmt er sie gar nicht wahr und fuchtelt mit seiner Pistole Richtung Theke. Dann steht Leclerc-Pelan ruhig auf, geht unbeirrt an ihm vorbei und bringt erst einmal das Kind in Sicherheit.
«Ich dachte, es sei ein Scherz»
Ebenso gelassen kehrt Leclerc-Pelan zu ihm zurück, worauf er ihr einen Rucksack in die Hand drückt. Jetzt hat die Lokalbesitzerin offensichtlich die Nase voll. Sie schlägt mit der Tasche auf die Pistole und das Gesicht des Maskierten ein und treibt ihn Richtung Tür. Ein Gast packt einen Stuhl und eilt ihr zu Hilfe. Der Eindringling feuert die Waffe noch ab – es handelte sich um Platzpatronen, wie sich später herausstellte – und ergreift die Flucht.
«Ich dachte erst, es handle sich um einen Scherz, und sagte ihm, das sei hier keine Bank», erzählte Leclerc-Pelan laut «Figaro». Als der Mann hereinstürmte und «Die Kasse, das ist ein Überfall!», schrie, habe sie Panik in seiner Stimme gespürt. Erst als er ihr gesagt habe, dass die Waffe echt sei, sei ihr etwas mulmig geworden. Das sei auch der Moment gewesen, in dem sie angefangen habe, die Pistole wegzuschlagen. «Ich habe reflexartig reagiert. Ich bin ein temperamentvoller Mensch und bin es nicht gewohnt, mich herumdirigieren zu lassen», sagte Leclerc-Pelan zu «Ouest-France».
Reumütiger Täter
Der Täter kehrte kurz darauf zurück. «Er wusste, dass er aufgrund seiner Fingerabdrücke identifiziert würde. Und er hatte bestimmt ein schlechtes Gewissen», vermutet Leclerc-Pelan laut dem französischen «20 minutes». Die nach der Flucht alarmierte Polizei verhaftete ihn.
Wie «La Manche Libre» schreibt, wurde der 21-Jährige zu einer Gefängnisstrafe von zwei Jahren verurteilt, wovon er sechs Monate absitzen muss. Zudem muss er Leclerc-Pelan 1000 Euro bezahlen.