Italien bangt um vermissten Missoni-Erben

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VerschollenItalien bangt um vermissten Missoni-Erben

Vittorio Missoni, der Sohn von Modezar Ottavio Missoni, wird vermisst. Sein Kleinflugzeug war vor der venezolanischen Küste vom Radar verschwunden. Ein Unfall - oder mehr?

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Die Maschine vom Typ BN-2 Islander war am Freitag beim Rückflug von der Inselgruppe Los Roques in die Hauptstadt Caracas von den Radarschirmen verschwunden. An Bord: Vittorio Missoni (58), dessen Ehefrau Maurizia Castiglioni, ein weiteres italienisches Paar sowie zwei venezolanische Besatzungsmitglieder. Die Italiener hatten auf der vor Venezuela gelegenen Inselkette Urlaub gemacht.

Mittlerweile sucht auch die venezolanische Nationalgarde nach dem verschollenen Flieger. Sie durchkämmte am Montag, 7. Januar,ein weites Gebiet mit Unterstützung von privaten Helfern mit Flugzeugen und Booten. Insgesamt sind fast 400 Einsatzkräfte an der Suche beteiligt - ohne dass es bei der Ortung der Maschine Fortschritte gegeben hätte.

Unfall oder Drogenbanden?

«Wir halten an einem Hoffnungsschimmer fest», sagte Oswaldo Scalvenzi, ein Verwandter einer Freundin Missonis. «Bis wir das Wrack sehen», habe seine Familie noch Hoffnung.

Der Bruder von Vittorio, Luca Missoni, ist inzwischen nach Venezuela gereist.

Derweil kursieren die verschiedensten Spekulationen über das Schicksal des Modezar-Erben. Einerseits gilt der Luftraum über Venezuela als ebenso unüberwacht wie gefährlich. Dazu kommt, dass es viele unseriöse Fluganbieter mit ungenügenden Sicherheitsstandards gibt.

Unheimlicherwiese trifft Missonis Verschwinden auf den Tag genau auf ein ähnliches Unglück vor vier Jahren: Am 4. Januar 2008 verschwand in derselben Region ein Flugzeug mit 14 Menschen, darunter acht Italiener, an Bord. Sie war allerdings in der Gegenrichtung von Caracas zu den Los-Roques-Inseln unterwegs. Doch auch von dieser Maschine fehlt bis heute jede Spur.

Es kursieren aber auch Spekulationen, wonach Missonis Flugzeug mit einem illegal fliegenden Kleinflugzeug für Drogentransporte zusammengestossen sein könnte. Denkbar aber auch, dass Missonis' Flieger in die Gewalt von Drogenbossen, so genannten Narcos, geraten ist.

Bald ist Mailänder Modeschau

Genährt werden derlei Spekulationen auch durch erste vorliegende Untersuchungsergebnisse: Warum hatte der Kleinflieger auf dem Weg von Los Roques nach Caracas Benzin für drei Stunden getankt - obgleich die Route in knapp einer Dreiviertelstunde zu machen ist? Auch Zweifel an der Qualität des Benzins und an der Funktionstüchtigkeit des GPS-Gerätes wurden laut.

Der Patron des Missoni-Unternehmens und Vater des vermissten Vittorios, Ottavio Missoni, ansonsten immer für ein Schwätzen mit den Medien zu haben, hat sich in sein Anwesen in Sumirago, nördlich von Mailand, verschanzt.

Ein Verlust seines Sohnes träfe den alten Herrn, der im Februar 82 Jahre alt wird, schwer. Familie ist für Missoni alles. Dazu kommt, dass der 58-jährige Vittorio die Firma Missoni zusammen mit seinem Bruder Luca und seiner Schwester Angela leitet. Vittorio ist dabei für das Marketing zuständig und eröffnete Filialen in der ganzen Welt.

In wenigen Tagen präsentiert Missoni seine Kollektion an der Mailänder Modenschau - bis dahin betet die ganze Verwandtschaft für gute Nachrichten aus Venezuela. (gux/dapd)

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