«Die Abstimmung wird gar nichts bringen»

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Chris von Rohr zur DSI«Die Abstimmung wird gar nichts bringen»

Im Vorfeld zur Abstimmung über die Durchsetzungsinitiative äussern sich prominente Schweizer in einer Serie zur Vorlage. Heute ist Chris von Rohr an der Reihe.

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20 Minuten hat verschiedenen Aushängeschildern der Schweizer Showszene dieselben sechs Fragen zur SVP-Initiative gestellt. In einer Serie sagen sie hier in den nächsten Tagen ihre persönliche Meinung. Heute: Chris von Rohr (64). Er ist mit seiner Band Krokus und als Produzent zu einem der erfolgreichsten Schweizer Musikschaffenden geworden, hat mehrere Bücher veröffentlicht und arbeitet als Kolumnist.

1. Chris von Rohr, wie denken Sie ganz allgemein über die Durchsetzungsinitiative?

Ich nehme vor allem eine konfuse, verwirrende, nahezu hysterische Debatte wahr. Ich denke, diese Abstimmung wird einmal mehr gar nichts bringen. Es wird genau so weitergehen wie bis anhin. Die Rechtsprechung ist und bleibt ein Dschungel der Willkür und Ungerechtigkeiten.

2. Was ist für Sie der Knackpunkt in dieser Vorlage?

Das Parlament will auch bei Mord und Vergewaltigung eine Härtefallklausel, die Initianten bei geringfügigeren Wiederholungsdelikten keine. Beides schmeckt mir nicht.

3. Ihr Rat ans Schweizer Stimmvolk?

Das braucht keinen. Unsere Bevölkerung ist wach, informiert und oft näher an den Brennpunkten als die politische Intelligenzia. Ich bin für die Wiedereinführung von Laiengerichten. Es gab in den letzten zwanzig Jahren klar zu viele opferfeindliche Urteile.

4. Hat die Schweiz Probleme?

Noch geht es uns gut, aber ich befürchte nebst einer uferlosen Verwaltung und Bürokratie einen Kollaps der Sozialsysteme. Nur Realitätsverweigerer erkennen nicht, dass ein mächtiger Sturm in Europa aufzieht. Die Piloten haben das Cockpit verlassen. Die nächsten Jahre werden alles verändern.

5. Tragen Sie als erfolgreicher und bekannter Musiker und Autor eine Verantwortung gegenüber der Öffentlichkeit?

Die nehme ich vor allem als freier Bürger, Vater und Kolumnist wahr, indem ich mich sorgfältig und genau informiere und keine unausgegorenen Hüftschuss-Empfehlungen abgebe. Übrigens: Klarer Verstand schliesst das Herz nicht aus.

6. Was stimmen Sie am 28. Februar?

Ich bin im Zustand der Abwägung, bin mir aber sicher, dass der gotthardsolide demokratische Rechtsstaat jeden Abstimmungsausgang souverän überleben wird.

Am Dienstag beantwortet Miss Schweiz Lauriane Sallin die gleichen sechs Fragen.

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