Jugendgewalt: Eltern bestrafen
Bundesrat Christoph Blocher hat umfassende Abklärungen zur Eindämmung der Jugendgewalt eingeleitet und will unter anderem die Eltern stärker in die Pflicht nehmen. In Schulen mit Problemen sollen regelmässige Polizeipatrouillen eingesetzt werden.
Die Jugendgewalt habe massiv zugenommen, und es bestehe Handlungsbedarf, sagte Blocher auf Grund von Abklärungen, die unter seiner Leitung mit mehreren Ämtern seines Departements seit letztem Dezember laufen. Man habe sich letzte Woche auch mit 30 Fachleuten getroffen, die in der Jugendarbeit tätig seien, sagte der Justizminister der «SonntagsZeitung».
Auf die Gründe der Zunahme der Jugendgewalt angesprochen, sagte der Vorsteher des Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartements (EJPD), man sollte das Problem nicht durch zu rasche Erklärungen relativieren. Grundsätzlich sei die Hemmschwelle bei Jungen stark gesunken. Sie schlügen schneller zu. Zum Teil spiele übertriebener Alkoholgenuss eine Rolle, aber auch die omnipräsenten Gewaltdarstellungen im Alltag. Mit hinein spiele weiter die Ausländerfrage. Auffallend hoch sei der Anteil von Tätern mit «Migrationshintergrund». Und dort wieder vor allem aus dem Balkan.
«Wir leiden heute unter den Spätfolgen antiautoritärer Erziehungsformen», sagte der SVP-Bundesrat weiter. Er will denn auch die Eltern stärker in die Pflicht nehmen. Im Falle von prügelnden Jugendlichen sollten nach seiner Vorstellung künftig auch die Eltern bestraft werden. «Wie jeder Obhutspflichtige sollen auch Eltern zur Rechenschaft gezogen: Mit Schadenersatzzahlungen, bei ausländischen Kindern bis hin zur Ausweisung der ganzen Familie.»
Kritik übte der Justizminister auch an der Strafverfolgung. Ein Missstand sei, dass die Strafverfolgung nicht immer effizient sei. Dies scheine nicht in erster Linie ein Problem des Gesetzes, sondern ein Problem des Vollzugs zu sein. Gewaltprävention sei aber auch in den Schulen nötig. Blocher befürwortet vermehrte Polizeieinsätze, wenn es an Schulen zu Gewalt unter Jugendlichen kommt. Wenn Straftaten auf Pausenplätzen begangen würden, müsse die Schule die Polizei rufen. «Dort, wo die Situation sehr problematisch ist, sind regelmässige Polizeipatrouillen sinnvoll», sagte der EJPD-Chef. (dapd)