Hooligan-Konkordat«Man darf einfach keine Rambos einstellen»
Am Dienstag leitet der Strafrechtsprofessor Mark Pieth an der Universität Basel ein Podium über Fanverhalten. Es geht auch um das Hooligan-Konkordat.

Leitet das Podium über Fanverhalten: Strafrechtspreofessor und Fifa-Beauftragter Mark Pieth.
Herr Pieth, über kaum ein Thema wird dieser Tage so heftig diskutiert wie über die Revision des Hooligan-Konkordats – wieso?
Der Ausgangspunkt ist klar: Die meisten Leute wollen die Fangewalt eindämmen. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass man ein maximales Sicherheitsinstrument schafft. Bei der Ausarbeitung der Revision schaute man zu wenig genau hin. Nun erwacht man plötzlich und merkt: Das ist «over the top».
Inwiefern?
Für mich ist es eine Frage der Verhältnismässigkeit: Wie kriegen wir eine Kultur eines massvollen Einsatzes hin? Man darf ganz einfach keine Rambos in den Sicherheitsdiensten aufstellen.
Wie beurteilen Sie persönlich das revidierte Hooligan-Konkordat?
Meine Position ist nicht relevant – ich lasse mich gern von der einen oder anderen Seite überzeugen, warum es das verschärfte Konkordat braucht oder eben nicht. Mich interessiert, wie es weitergeht: Generiert man ein Flickenteppich der Kantone oder geht man nochmals über die Bücher?
Im Kanton Zug entscheidet demnächst das Parlament über die Revision – inwiefern wäre ein Zuger Nein ein Signal?
Zug repräsentiert den Mainstream. Das Nein wäre ein Stich ins Herz der Befürworter. Dann kann es auch sein, dass man das Konkordat neu überarbeitet.
Zudem ist ein Bundesgerichtsentscheid betreffend der Luzerner Beteiligung hängig...
...ob das Konkordat umgesetzt wird, entscheidet sich möglicherweise gar nicht auf rechtlicher, sondern politischer Ebene. Nehmen wir an, die Kantone mit den meisten Problemfans – Zürich, Bern und Basel – machen nicht mit: Dann müsste man eine andere mehrheitsfähige Variante finden.
Sollten die anderen «wichtigen» Kantone zustimmen, würde dann auch Basel umschwenken?
Das würde mich erstaunen. Wir funktionieren in Basel normalerweise nicht so, dass wir klein beigeben weil ein paar andere dafür sind. Wir haben ein gewisses Selbstbewusstsein was unsere Stellung mit dem FCB anbelangt.
Illustre Gäste auf Poodium
Unter dem Titel «Sicherheit und Fanverhalten» diskutieren Experten in der Aula des Kollegiengebäudes der Universität Basel über Fankultur. Dabei sind KKJPD-Präsident Hans-Jürg Käser, FCB-Präsident Bernhard Heusler, der Basler Polizeikommandant Gerhard Lips, FCB-Fanbeauftragter Thomas Gander und Grossrat Tobit Schäfer. In der Aula hat es Platz für 450 Besucher, bei Bedarf gibt es ein Public Viewing in einem weiteren Saal.