Basel«Es wird geschmuggelt, was das Zeug hält»
Die Grenzwächter haben alle Hände voll zu tun. Schmuggler und ankommende Migranten halten sie auf Trab. Der steigende Trend beim Einkaufstourismus geht weiter.
Fast die Hälfte aller Schweizer Importe und Exporte werden über den Basler Zollkreis I abgewickelt. Sorgen macht den Grenzwächtern der Schmuggel, der im vergangenen Jahr stark zugenommen hat. Am Euro-Airport Basel-Mulhouse wurde gar ein neuer Rekord erreicht. In über 3000 Fällen wurden 2015 insgesamt 8,5 Tonnen verbotene Lebensmittel sichergestellt. 2014 wurden noch 1300 verbotene Einfuhren verzeichnet.
«Es wird geschmuggelt, was das Zeug hält», sagt Roger Zaugg, Kommandant der Grenzwachtregion I Basel, «vor allem seit der Aufhebung des Euro-Mindestkurses.» Gravierend war der Fall eines in der Türkei immatrikulierten Sattelschleppers: Dank der Scanner-Anlage wurden über 300 Kilogramm Wasserpfeifentabak festgestellt, die in einem Steinbrunnen versteckt waren. Allein die Abgaben dafür beliefen sich auf über 30'000 Franken.
100 Kilo per Tram geschmuggelt
Geschmuggelt wird nicht nur in Lastwagen oder Autos, sondern neuerdings auch per Tram. Im 8er nach Weil am Rhein fänden sich immer wieder Leute mit bis zu hundert Kilo Waren in Einkaufswagen, Rucksack und Taschen, sagte Zaugg. «Es ist erstaunlich, wie viel ein einzelner Menschen zu tragen fähig ist», so Zaugg. Im 38er-Bus von Basel nach Grenzach gehe es ähnlich zu.
Laut Zaugg hat sich der seit 2013 anhaltende Aufwärtstrend beim Schmuggel fortgesetzt. Die Zahl der Strafverfahren hat im letzten Jahr mit 6968 einen neuen Höchststand erreicht. «Der Einkaufstourismus bleibt ein Dauerbrenner, das nimmt kein Ende», so Zaugg.
Zunehmende Migration
Die Auswirkungen der Flüchtlingswelle spürten auch die Verantwortlichen an der Basler Grenze. «Im Jahr zuvor hatten wir etwa 30 Anhaltungen von sich illegal in der Schweiz aufhaltenden Menschen pro Monat von der Balkanroute. Letztes Jahr waren es 420 pro Woche», so Zaugg. Erfolge konnten die Zöllner bei der Fahndung verbuchen. Bei Personenkontrollen wurden 5193 Menschen festgehalten, die aus verschiedenen Gründen ausgeschrieben waren. Dies entspricht einer Zunahme von 12,3 Prozent.
Mit Sorge blicken die Zollbeamten auch auf die Entwicklung bei den Passfälschungen. 2015 stiegen diese um 143 Prozent auf 455 gefälschte Dokumente. «Ein falscher Ausweis ist aber oft nur die Spitze des Eisbergs», sagt Grenzwachtkorps-Chef Jürg Noth. «Ein Fall, in dem wir rund 50 Kilo Amphetamine beschlagnahmen konnten, begann mit einem falschen Ausweis.»
Mehr Personal für Basel
Eine Zunahme beobachten die Grenzwächter auch beim Online-Shopping. Laut Heinz Engi, Direktor des Zollkreises Basel, brachte das boomenden Online-Shopping mehr Pakete ins Land, die jedoch relativ wenig Warenwert hatten. Insgesamt wurden im letzten Jahr von Privaten 146'088 Waren verzollt. Die Einnahmen durch verzollte Waren stiegen um 1,6 Millionen Franken auf 10,9 Millionen.
Im letzten Jahr wurde das Grenzwachtkorps in Basel durch unterstützende Einheiten aus anderen Grenzwacht-Regionen verstärkt. Trotz Spardruck sollen laut Noth in Basel keine Stellen abgebaut werden. Im Gegenteil. «Ich bin sehr dankbar für die 48 zusätzlichen Grenzwächter, die mir vom Bund für die gesamte Schweiz zur Verfügung gestellt wurden. Ich bin mir sicher, dass ein beachtlicher Teil davon in der Grenzwacht Region I Basel eingesetzt wird», so Noth.