Händedruck-ZwangIZRS droht mit rechtlichen Schritten
Der Islamische Zentralrat behält sich vor, Rechtsmittel gegen die Durchsetzung des Handedrück-Zwangs in Therwil zu ergreifen. Gemässigte Muslime begrüssen indes die Haltung des Kantons.
Der Händedruck-Zwang an der Sekundarschule Therwil spaltet die Schweizer Muslime. Während Saïda Keller-Mesahli vom Forum für einen fortschrittlichen Islam das Rechtsgutachten der Baselbieter Bildungsdirektion auf Twitter mit einem «Bravo!» quittierte, erkennt der konservative Islamische Zentralrat der Schweiz (IZRS) darin einen «Wertetotalitarismus».
Der IZRS hat die betroffene Familie in der Angelegenheit bis jetzt beraten. In der Androhung von Disziplinarmassnahmen sieht er eine grobe Überschreitung ihrer Kompetenzen und droht bei einer Umsetzung damit, rechtlich dagegen vorzugehen. Ob der IZRS der betroffenen Familie den Gang durch die Instanzen bis vors Bundesgericht bezahlen wird, liess Sprecherin Janina Rashidi auf Anfrage offen.
Rashidi hält fest, dass die Integration der beiden Schüler «zu keinem Zeitpunkt von den beteiligten Personen in Frage gestellt wurde». So sei die Verweigerung des Händedrucks keine Diskriminierung der weiblichen Lehrperson, da dieser nicht der «angemessene Respekt», sondern lediglich der Körperkontakt verweigert worden wäre. «Da das Erzwingen dieses Körperkontakts gegen die religiöse Überzeugung der beiden Schüler verstösst, werden sie damit an ihrem verfassungsmässigen Recht der freien Religionsausübung gehindert», so Rashidi.
Muslimverband stützt Regierungsposition
Die Position des IZRS ist allerdings nicht repräsentativ für die Haltung der Mehrheit der Schweizer Muslime. «Unsere Position deckt sich mit jener der Baselbieter Bildungsdirektion, in dem Sinne, dass Schüler ihren Lehrpersonen die Hand reichen sollen», sagt Pascal Gemperli, Sprecher der Föderation Islamischer Dachorganisationen Schweiz (FIDS), der über 170 muslimische Vereine angeschlossen sind. Die FIDS betonte schon Anfang April, dass der Händedruck zwischen Mann und Frau im Islam auch theologisch unproblematisch sei. Allerdings stört sich die Organisation daran, dass die strittige Frage nicht im Dialog geregelt werden konnte und jetzt juristisch ausgetragen wird.
«Dass der IZRS Rechtsmittel ergreifen wird, ist problematisch», sagt Gemperli. Das sei kontraproduktiv und führe dazu, dass die Händedruck-Affäre noch mehr zu reden gebe. «Genau das hätte eigentlich verhindert werden sollen.»