Basler Gartenbad EgliseeEklat in Frauenbad wegen männlichem Bademeister
Frauen unter sich? Nicht ganz: Im Basler «Fraueli» im Gartenbad Eglisee ist zeitweise ein männlicher Bademeister im Einsatz. Das führte am Sonntag zu einem Tumult.

In der Badi Eglisee stören sich Musliminnen an der Anwesenheit eines Bademeisters im Frauenbad.
«Aus betrieblichen und unterhaltstechnischen Gründen ist es jederzeit möglich, dass sich männliches Badepersonal im Frauenbad aufhält», steht in deutscher und französischer Sprache auf Info-Tafeln beim Eingang des Frauenbereichs im Gartenbad Eglisee. Das behagt nicht allen weiblichen Gästen: Am Pfingstsonntag beschwerte sich eine Gruppe türkischer Frauen beim Bademeister über dessen Anwesenheit und verliess schliesslich die Badeanstalt.
Leserin Gül K.* aus Birsfelden hatte die Szene beobachtet: «Rund 20 verhüllte Frauen mit Kopftuch hielten sich im Frauenbad auf. Als der Bademeister den Bereich betrat, gingen etwa fünf der Türkinnen auf ihn zu und forderten ihn auf, sich aus dem Fraueli zu entfernen.» Dieser habe ruhig geantwortet, er mache hier nur seinen Job, berichtet die 19-jährige Kauffrau. Daraufhin sei die ganze Gruppe zur Kasse und habe den Eintrittspreis zurückverlangt.
Personal beleidigt
Dabei sei es zu einem kleinen Tumult gekommen, sagt Eric Hardman vom Sportamt, der für die Basler Gartenbäder zuständig ist. «Die Frauen waren sehr unhöflich und beleidigten unser Personal.» Ein Mann sei dazu gekommen und habe den Bademeister mit Ausdrücken bedacht, «die ich hier nicht wiederholen möchte», sagt Hardman. Das Sicherheitspersonal habe den aufgebrachten Badegast schliesslich aus der Anlage entfernt, die Türkinnen seien ebenfalls gegangen.
Leserin K.*, selber Muslimin, kann verstehen, dass sich Frauen durch die Anwesenheit eines Mannes im Fraueli gestört fühlen. «In einem Frauenbad wollen wir schliesslich unter uns sein.» Sie sonne sich manchmal auch oben ohne. «Da brauche ich keinen Mann in der Nähe», sagt K.* Der Bademeister habe sich aber absolut korrekt verhalten. «Das ist sicher kein Spanner.» Er mache ja nur seine Arbeit, meint die 19-Jährige, «genauso wie ein Arzt, der eine Frau untersucht».
Seit Jahren ein Problem
Der Eklat vom Pfingstsonntag ist nicht der erste: «Die Problematik besteht seit Jahren», sagt Hardman. Mehrheitlich seien es muslimische Frauen, die an der Anwesenheit eines männlichen Bademeisters Anstoss nähmen. «Die Stammgäste im Fraueli sind es gewohnt, dass zeitweise ein Mann Aufsicht hat.» Von einem «Kampf der Kulturen», wie die «Basler Zeitung» bereits 2010 titelte, will er aber nichts wissen. «Grösstenteils ist es hier friedlich.»
Dass sich männliches Personal im Frauenbad aufhalte, sei aus zwei Gründen unumgänglich, erklärt Hardman: Erstens befinde sich die gesamte Technik des Gartenbads im Frauenbereich. Die Wartung führten die Schichtleiter aus, «alles Männer». Zudem gebe es Situationen - wenn das weibliche Personal Pause mache oder die Toiletten reinigen müsse - in denen nicht genügend Frauen verfügbar seien, um die Becken zu beaufsichtigen. «Sicherheit ist unser oberstes Gebot. Kein Becken bleibt jemals unbewacht», sagt Hardman.
Alles bleibt beim Alten
Für ihn komme eine Änderung an der schon seit Jahrzehnten bestehenden Regelung daher nicht in Frage. «Frauen, die sich vom Bademeister gestört fühlen, sollen dem Fraueli fernbleiben.» Einzig die Anschläge im Eingangsbereich könnten verbessert werden. «Wir überlegen uns, zusätzlich mit Bildern oder Piktogrammen auf die Anwesenheit männlichen Personals im Frauenbad aufmerksam zu machen.»
*Name der Redaktion bekannt