Badi-Besucher rufen zum Glace-Boykott auf

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Trotz SommerhitzeBadi-Besucher rufen zum Glace-Boykott auf

Regionale Produkte haben es in den Basler Badis schwer, besonders lokale Glace wird von den Badi-Wirten oft verschmäht. Den Badegästen passt das gar nicht.

David Frische
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David Frische
Aufruhr um das Glace-Angebot im Gartenbad St. Jakob: Badi-Besucher wollen die beliebte Glace des lokalen Herstellers Gasparini zurück im Sortiment haben.
Gasparini darf seine Glace vorerst nur noch ausserhalb der Joggeli-Badi verkaufen. In der letzten Badesaison gabs das Eis noch in der Tiefkühltruhe am Badi-Kiosk.
Die neuen Wirte des Gartenbads haben nun angekündigt, dass bald wieder regionale Glace im Sortiment sein werde. Man sei noch in Verhandlungen mit diversen Anbietern.
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Aufruhr um das Glace-Angebot im Gartenbad St. Jakob: Badi-Besucher wollen die beliebte Glace des lokalen Herstellers Gasparini zurück im Sortiment haben.

20 Minuten/daf

«Stört es noch wen, dass es im Joggeli-Schwimmbad diese Saison nur noch Nestlé-Produkte und keine Gasparini-Glaces mehr gibt?», fragt eine Badi-Besucherin in der Facebook-Gruppe «Du bisch vo Muttenz wenn ...». Ja, es stört: Prompt hagelt es Kommentare voller Bedauern und Unverständnis gegenüber der Einkaufspolitik des Restaurants im Gartenbad St. Jakob.

Das Joggeli, eines der grössten Gartenbäder der Region Basel, hat auf die aktuelle Badesaison hin einen Wirtewechsel vollzogen. Parterre Basel sorgt ab sofort für das leibliche Wohl von Gross und Klein in Bikini und Badehose. Und das lokale Gastro-Unternehmen mag es konventionell. Die Glaces in den Tiefkühltruhen der Badekioske kommen alle vom Schweizer Nahrungsmittelriesen Nestlé. Wer aber beispielsweise das berühmte Zolli-Cornet des Basler Herstellers Gasparini sucht, wird nicht fündig. Letztes Jahr wurde die Basler Glace zusätzlich zum Hauptsortiment noch angeboten. Jetzt nicht mehr.

«Da gibts nur eins ...»

Das passt nicht allen Badi-Besuchern. Denn die Gasparini-Glace ist in Basel äusserst beliebt. Reaktionen wie «Skandal!» und «Sauerei!» folgen dem Facebook-Post der besagten Userin auf dem Fuss. Eine «dumme Entscheidung», die viele verärgern werde, ist sich ein User sicher. Noch ist unklar, weshalb die neuen Joggeli-Wirte sich gegen Gasparini entschieden haben. Parterre Basel war am Sonntag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Verständnis für den Wechsel in der Produktepalette gibt es nicht. Im Gegenteil. «Da gibts nur eins: Keine Glace mehr kaufen», kündigt ein User an und gesellt sich damit zu mehreren Personen, die sich auf Facebook für einen Boykott der Glace im Joggeli aussprechen. Viele können es nicht verstehen, dass ein lokaler Produzent übergangen werde und die Wirte stattdessen einen «umstrittenen internationalen Grosskonzern» berücksichtigten.

Nestlé hatte jahrelang Exklusivrechte

Es ist nicht das erste Mal, dass in Basler Badis die Gemüter wegen der Glace-Einkaufspolitik erhitzen. Erst vor zwei Jahren war ein Exklusiv-Vertrag zwischen dem Basler Erziehungsdepartement und Nestlé publik geworden. Der Vertrag lief damals aber gerade aus und kleinere Glacemanufakturen aus der Region durften auf lukrative Aufträge hoffen. Für Gasparini währte das Glück im Joggeli nur eine Saison.

Die beliebte Basler Glace gibt es im Stadtkanton nur noch im Bettinger Bädli. Das Eglisee hat nebst Glace von Lusso Tutu's Ice Pops aus Zürich im Angebot und das Naturbad Riehen setzt in der Tiefkühltruhe auf die Palette von Nestlé.

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