Daumen hoch fürs Mitfahr-Bänkli

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Blauen BLDaumen hoch fürs Mitfahr-Bänkli

Seit Anfang Jahr steht in der 700-Seelen-Gemeinde Blauen ein «Mitfahr-Bänkli». Die unkomplizierte Art von Autostopp ist bei Jung und Alt beliebt.

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In Blauen kann man sich auf das «Mitfahr-Bänkli» setzen, den Daumen nach oben halten und innert wenigen Minuten wird man mitgenommen.

Wer auf dem Land wohnt, hat häufig schlechte ÖV-Verbindungen – und wenn einem dann das Postauto noch vor der Nase wegfährt, umso blöder, denn das nächste fährt häufig erst eine Stunde später wieder. Darum versucht die Baselbieter Gemeinde Blauen seit Anfang Jahr, mit dem «Mitfahr-Bänkli» dem Problem Abhilfe zu schaffen. Wer eine Mitfahrgelegenheit braucht, setzt sich auf die Bank – eine unkomplizierte Art von Autostopp.

Einfach in den Ausgang

«Man kann sich einfach auf das Mitfahr-Bänkli setzen und den Daumen nach oben halten, schon wird man mitgenommen», erklärt der Gemeindepräsident Dieter Wissler. Der Einheimische Sepp Marquis hat die Bank gezimmert, «Mitfahr-Bänkli» eingraviert und mit der Basel-Land-Flagge und dem Blauner Wappen verziert.

Vor allem junge und ältere Einwohner von Blauen haben das Problem, ungenügenden Anschluss an umliegende Dörfer oder Bahnhöfe zu haben. «Wenn wir in den Ausgang gehen, muss immer jemand fahren, es sei denn, wir nehmen ein Taxi oder das Velo», sagt die 22-jährige Michèle Messmer aus Blauen.

Das «Bänkli» funktioniert

Das Erstaunliche an dieser einfachen Idee: Sie funktioniert tatsächlich. 20 Minuten hat um die Mittagszeit den Selbsttest gemacht. Innerhalb weniger Minuten hielt ein Auto an und nahm den Autor mit. «Früher sind wir noch stundenlang in die nächste Bar gelaufen», sagt die freundliche Rentnerin auf der Fahrt ins benachbarte Zwingen. «Ich wünschte, in meiner Jugend hätte es schon sowas wie dieses Bänkli gegeben», sagt sie und wünscht einen schönen Tag.

Auf die Frage, wer das Mitfahr-Bänkli nutze, antwortet Gemeindepräsident Wissler: «Eine Umfrage, wer die Bank am meisten und aus welchen Gründen benutzt, haben wir noch nicht gemacht, ich vermute jedoch, dass sie vorwiegend bei Jugendlichen beliebt ist.»

App als Alternative

Michèle Messmer findet, das Angebot sei für alle da – von Jung bis Alt. «Ich ermutige jeden anzuhalten, wenn man jemanden auf der Bank sitzen sieht.» So sei man künftig nicht mehr voll und ganz vom Postauto-Fahrplan abhängig.

Das Bedürfnis für eine Mitfahrgelegenheit besteht in Blauen schon lange. Bereits vor zwei Jahren wurde als Pilot-Projekt eine «Fahr-Mit-App» lanciert. Blauen ist damit wohl die Gemeinde, die Car-Sharing am innovativsten nutzt.

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