Handy-MikroskopLiestaler sorgt für den 150-fachen Durchblick
Mit einem 3D-Drucker realisierte Sebastian Pfirter seine Idee eines iPhone-Mikroskops. Seit Juni verkaufte er in seinem Ein-Mann-Betrieb in Liestal rund 500 Stück.
«Ich wollte ein möglichst einfaches, kompaktes und günstiges Mikroskop herstellen, welches genauso mobil ist wie das iPhone selbst», sagt My-iCross-Hersteller Sebastian Pfirter. In seinem Ein-Mann-Betrieb Designerei in Liestal verkaufte der Tüftler seit einer Crowdfunding-Kampagne im Juni bereits 500 Handy-Mikroskope. Diese ermöglichen eine 150-fache Vergrösserung und damit auch überaus detailreiche Einblicke in diversen Alltagssituationen.
Den Aufstecker My-iCross gibt es für 19 Franken. Der Kunststoff, aus welchem das Handy-Gadget hergestellt wird, basiert auf Maisstärke und ist damit biologisch abbaubar. Mithilfe von zwei durch den Erfinder selbst entworfenen 3D-Druckern können an einem Tag bis zu 40 Stück produziert werden. «Es ist eines der ersten Serienprodukte auf dem Markt, welches für jeden einzelnen Kunden effektiv im 3D-Druckverfahren hergestellt wird», so Pfirter. Auch individuelle Anfertigungen wie ein eingelaserter Namensschriftzug des Kunden sind möglich.
Tüftler produziert Mikroskope flexibel
Inzwischen gibt es allerlei Versionen des Handy-Mikroskops. Pfirter zeigt sich angesichts des 3D-Druckverfahrens flexibel. So ist für fast jedes iPhone-Modell ein passender Mikroskop-Aufstecker erhältlich. Lediglich die dreidimensionale Zeichnung im Computer muss der Design-Tüftler dafür anpassen. Eine Spezialisierung auf iPhone-Modelle begründet er dabei mit den relativ einheitlichen Gehäuseformen. Trotz aller augenscheinlichen Einfachheit: Die Linsen setzt der Tüftler mühevoll von Hand ein.
Erhöht sich jedoch die Nachfrage stark, wird der 3D-Drucker nicht mehr ausreichend produzieren können. «Wenn Investoren interessiert sind, wäre ich nicht abgeneigt, höhere Stückzahlen herstellen zu lassen», sagt Pfirter. Durch eine Spritzguss-Herstellung könnte die Produktion eines Handy-Mikroskops innert 30 Sekunden über die Bühne gehen. Derweil nimmt diese noch 45 Minuten pro Stück in Anspruch. Jedoch müssten mehrere Zehntausend Franken in eine Spritzgussfertigung investiert werden.
Mediziner gehören zur Zielgruppe
Das Handy-Gadget dient jedoch nicht nur Neugierigen als Spielerei. Das Mikroskop für die Hosentasche soll später auch in der Medizin einen Platz finden oder vielmehr eine Nische füllen. Dank der unkomplizierten Bedienung wie auch aufgrund des günstigen Anschaffungspreises wären laut Pfirter schnelle Ferndiagnosen möglich. «Dort, wo das Handynetz zwar gut ist, die Verkehrsanbindung jedoch schlecht, kann die Flexibilität des Mikroskops helfen, viele Wegstunden einzusparen», so Pfirter. Besonders Hautärzte dürften wohl Gefallen an dem praktischen Handy-Aufstecker finden. Über zehn Prozent der Abnehmer sind laut Pfirter schliesslich Mediziner.
Dass er kein Patent dafür besitzt bereitet dem Tüftler keine Sorgen. «Ich muss lediglich schneller sein als die Konkurrenz, da sich die Technik schnell verändert», so Pfirter. Als nächster Schritt folgt für den Handy-Gadget-Entwickler der Verkauf über Onlineshops und Handy-Läden: «Ich stehe mit diversen potentiellen Vertriebspartnern in Kontakt.»