Nach Protesten – BLT lässt Kuss-Plakate zu

Aktualisiert

«Falsch verstanden»Nach Protesten – BLT lässt Kuss-Plakate zu

Die BLT akzeptiert die komplette Plakat-Kampagne des Jugendtreffs Anyway. Die geplante «Kiss-in»-Aktion findet aber dennoch statt.

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Ab Februar zieren Plakate gleichgeschlechtlicher Paare Basler Trams.
Das Aufhängen von sich küssenden homosexuellen Pärchen wurde jedoch zunächst von der BLT verweigert.
Lediglich Plakate ohne Küsse erlaubte die BLT.
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Ab Februar zieren Plakate gleichgeschlechtlicher Paare Basler Trams.

Anyway

Am Mittwoch noch sagte BLT-Direktor Andreas Büttiker: «Wir stehen zu unserem Entscheid, einige der Plakate nicht aufzuhängen.» Dies, weil sich einige der Fahrgäste durch die sich küssenden, homosexuellen Paare verletzt fühlen könnten. Am Tag darauf lässt das Unternehmen via Medienmitteilung verlauten: «Wir haben im Nachhinein realisiert, dass die Überlegungen, die zu diesem Entscheid geführt haben, falsch verstanden wurden.»

«Unser Ziel war es nie, uns gegen Homosexuelle zu stellen. Wir suchten lediglich den Kompromiss, um es allen unseren Fahrgästen recht zu machen», so Büttiker. In eine politische Debatte wollten sie jedoch nicht involviert werden. Nach einem netten Anruf von Bastian Baumann, Geschäftsführer von Pink Cross, haben Büttiker und die BLT die interne Beurteilung der Werbekampagne von Anyway nochmals hinterfragt und kamen zum Schluss, alle Sujets zum Aufhängen zu gewähren.

Dialog suchen

«Herr Baumann hat mir ein Gespräch angeboten, das ich gerne wahrnehmen werde. Eine konstruktive und sachliche Diskussion ist der beste Weg, gemeinsam eine Lösung zu finden», so Büttiker. In dem Gespräch soll laut Baumann über Homophobie und deren Auswirkungen gesprochen werden. Auch möchte er mit der BLT besprechen, wie das Unternehmen auf zukünftige Anfragen von Homosexuellen-Verbänden reagieren und auch die eigenen schwul-lesbischen Mitarbeiter in ihrem Arbeitsumfeld unterstützen kann.

An dem Gespräch wird auch Alexandra Barth von Anyway teilnehmen: «Ich freue mich auf den Dialog mit der BLT und Pink Cross. Ich glaube, wir sind auf dem richtigen Weg.» Noch mehr freut sie sich jedoch über das grosse Engagement und die zahlreichen Reaktionen, die der ablehnende Entscheid ausgelöst hat. «Dass wir eine solch enorme Rückendeckung und so viel Unterstützung erhalten haben, finde ich toll. Dank der Mithilfe von so vieler können wir unsere Aktion nun wie geplant durchführen», so Barth.

Problem der Homophobie nicht gelöst

Auf Facebook wandten sich mehrere Dutzend Personen öffentlich an die BLT und bezeichneten das Transportunternehmen als menschenfeindlich. So forderte die Juso einen Rückzug des Entscheids und die Gay-Organisation Pink Cross rief aus Protest zum öffentlichen «Kiss-in» auf.

«Wir werden die Kiss-in-Aktion am Mittwoch trotzdem durchführen, aber nicht als Protest, sondern als freudiger Anlass, welcher für Liebe und Vielfalt steht», sagt Baumann. Denn schliesslich sei das Problem der Homophobie als Ganzes mit dem Entscheid der BLT noch nicht gelöst. «Ich freue mich aber, dass die BLT unsere Ansichten von Respekt, Offenheit und Akzeptanz nun zu teilen scheint und die vielen Stimmen gehört hat. Damit sendet die BLT ein wichtiges Signal an alle jungen Menschen, die unter Homophobie und Diskriminierung zu leiden haben.»

Tramplakat-Kampagne wie geplant

Damit kann die fünfwöchige Plakat-Kampagne des Jugendtreffs Anyway wie geplant am 2. Februar starten, und zwar in allen Trams auf dem regionalen Schienennetz. Denn die Basler Verkehrsbetriebe BVB hatten die Kampagne bereits zuvor akzeptiert. Mit den Werbeplakaten soll laut Initiantin Alexandra Barth «die Sichtbarkeit von Anderssexuellen erhöht und die Öffentlichkeit zum Nachdenken angeregt werden».

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