Grosse Halle BernTechnoparty gestürmt – Linksaktivist verurteilt
Weil er 2014 eine angeblich zu teure Technofete in der Grossen Halle angegriffen haben soll, musste ein Linksautonomer vor dem Richter antraben. Er sieht sich selber aber nur als Mitläufer.

Die Angreifer öffneten die Türe der Grossen Halle der Reitschule und randalierten an der Technoparty.
20 Minuten/nelIn einer Woche findet zum dritten Mal die «We love Techno»-Party in der Grossen Halle der Reitschule statt. Die Premiere im Herbst 2014 hallt bis heute nach.
Am Donnerstag ist ein 26-jähriger Berner vom Regionalgericht Bern-Mittelland wegen Land- und Hausfriedensbruch zu 280 Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilt worden. Der einschlägig vorverurteilte Mann, der vor Gericht einen Kapuzenpulli mit aufgedruckter Steinschleuder trug, soll mit rund 50 anderen Vermummten den Event gestürmt haben. Darauf soll die Horde Kassen ausgeraubt und Kühlschränke geplündert haben. Auch hätten die Krawallmacher sämtliche Türen der Grossen Halle geöffnet, um anderen Nachtschwärmern kostenlosen Zutritt zum Fest zu verschaffen. Die Vermummten störten sich daran, dass für die Technoparty in der Reitschule zu hohe Eintrittspreise verlangt wurden.
Massenpanik verhindert
Die «Gratis-Party für alle» kam den Veranstalter teuer zu stehen: 13'500 Franken erbeuteten die Vermummten aus den Kassen. «Alles war minutiös geplant», erzählte der Veranstalter der Party vor Gericht. Man habe gegen die Krawallmacher vor Ort auch nichts ausrichten können. «Wir wussten: wenn wir die Türen wieder schliessen, dann knallts.» Das Sicherheitspersonal sei trotz dem aggressiven Verhalten der Vermummten sehr zurückhaltend vorgegangen, um unter den 2100 anwesenden Gästen keine Massenpanik auszulösen. «Dass nichts passiert ist, ist nicht den Angreifern zu verdanken, sondern der professionellen Reaktion des Sicherheitsdienstes», so Einzelrichter Jürg Christen.
Angeklagter bestreitet Beteiligung trotz Videobeweis
Der Angeklagte konnte aufgrund von Videoaufnahmen eines Türstehers überführt werden: Die im Gerichtssaal abgespielte Filmsequenz zeigt, wie er Engergydrinks in der Menge verteilt. Im Video zu sehen ist auch, wie ein wütender Partygast ihm das Halstuch vom Gesicht reisst, worauf der Beschuldigte unverhüllt zu erkennen ist.
Der Mann, der der linksautonomen Szene nahe steht, gab vor dem Richter zwar zu, die Person auf dem Video zu sein, sagte aber: «Ich war nicht Teil dieser Gruppe. Ich habe die Grosse Halle alleine betreten.» Mit einem Halstuch vermummt habe er sich nur, «weil halt alle um mich herum vermummt waren», so der 26-Jährige weiter. Die Getränkedosen seien zudem herrenlos auf der Theke herumgestanden und niemand habe ihn davon abgehalten, die Getränke an die Gäste zu verteilen.
Als einziger verhaftet
Die anderen vermummten Personen, die laut Zeugenaussagen hinter der Bar wüteten und unter anderem das Kassenhäuschen auf dem Vorplatz zertrümmerten, konnten von den Ermittlern nicht identifiziert werden. Somit ist der 26-Jährige der einzige der Angreifer, der von der Berner Justiz zur Rechenschaft gezogen werden konnte.
Sein Anwalt plädierte am Donnerstagnachmittag in allen Anklagepunkten auf Freispruch – er sei nicht Teil dieser Zusammenrottung gewesen. Dem widersprach Richter Christen bei der Urteilseröffnung: «Der Angeklagte war ganz klar Teil der Gruppe und hat aktiv am Geschehen teilgenommen.» Dies würde etwa das achtminütige Video beweisen. Die Strafe wurde unbedingt ausgesprochen und bleibt in den nächsten zehn Jahren im Strafregister des Mannes vermerkt. Dies trifft den 26-Jährige besonders hart: «So habe ich Mühe, einen richtigen Job zu finden.»