GedenkaktionAus Schütz wird Luciano-Romero-Platz
Die Schütz wird in Gedenken an einen kolumbianischen Gewerkschaftsführer umgetauft. Dahinter steckt die Menschenrechtsorganisation Multiwatch.

Heute wird auf der Berner Schützenmatte dem kolumbianischen Gewerkschafter Luciano Romero gedacht, der vor zehn Jahren ermordet wurde - kurz bevor er in Bern an einer öffentlichen Anhörung als Zeuge hätte aussagen sollen.
Anlässlich des Neustadt-Labs wurde in den vergangenen Wochen bereits fleissig auf der Schützenmatte herumexperimentiert. Heute Nachmittag kommt die Schütz nun zu einem neuen Namen: Sie wird in den Luciano-Romero-Platz umgetauft. Dies geschieht anlässlich des zehnten Jahrestages eines kolumbianischen Gewerkschaftsführers und Menschenrechtsaktivisten.
Luciano Romero, ehemaliger Arbeiter beim Nestlé-Tochterunternehmen Cicolac, war vor zehn Jahren von Paramilitärs enführt, gefoltert und mit fünfzig Messerstichen brutal ermordet worden. Zuvor hatte er zahlreiche Todesdrohungen erhalten. Romero hätte im Oktober 2005 in Bern an einer von Multiwatch organisierten, öffentlichen Anhörung zu Nestlé Kolumbien als Zeuge auftreten sollen – doch aufgrund seiner Ermordung kurz zuvor kam es nie zu seiner Aussage.
Unterlassener Schutz für Romero?
Zwar wurden die Paramilitärs, die Romero ermordet hatten, zur Verantwortung gezogen – jedoch blieben die Auftraggeber des Verbrechens im Dunkeln. Der kolumbianische Richter hatte die Rolle Nestlés als relevant angesehen und entsprechende Ermittlungen angeordnet. Bis heute sind diese nicht aufgenommen worden. Brisant: Der betreffende Richter wurde abgesetzt und musste wegen Morddrohungen das Land verlassen.
Im März 2012 reichte die Gewerkschaft Sinaltrainal zusammen mit dem European Center for Consitutional and Human Rights (ECCHR) Strafanzeige gegen leitende Mitarbeiter von Nestlé und das Unternehmen ein. Der Vorwurf: Die Nestlé-Manager hätten es unterlassen, die Gewerkschafter angemessen zu schützen, und hätten so den gewaltsamen Tod Romeros mitverursacht. Dies, obwohl die Gewerkschaft die Todesdrohungen an das Tochterunternehmen in Kolumbien sowie an den Mutterkonzern in der Schweiz gemeldet hatte. Das Verfahren in der Schweiz wurde im Mai 2013 wegen Verjährung eingestellt.
Konzerne zur Verantwortung ziehen
Die Menschenrechtsorganisation Multiwatch will dennoch dafür sorgen, dass Romero Gerechtigkeit wiederfährt und nicht in Vergessenheit gerät. Sie nimmt Schweizer Firmen im In- und Ausland unter die Lupe: «Uns geht es darum, als Menschenrechtsplattform zu beobachten, wo Schweizer Konzerne an Menschenrechtsverletzungen beteiligt sind», erklärt Yvonne Zimmermann, Vorstandsmitglied von Multiwatch. Dafür steht die Organisation in Kontakt mit Betroffenen und Gewerkschaften. «Wir setzen uns dafür ein, dass Konzerne auch in der Schweiz für Verletzungen zur Verantwortung gezogen werden», sagt Zimmermann.
Fast 3000 ermordete kolumbianische Gewerkschafter
Mit der Umbenennung der Schützenmatte will Multiwatch einerseits gegen die Straffreiheit für die Auftraggeber des Mordes protestieren. Andererseits will die Menschenrechtsorganisation darauf aufmerksam machen, dass in Kolumbien seit Mitte der 1980er-Jahre beinahe 3000 Gewerkschafter ermordet wurden. Dafür bringt Multiwatch auf der Schütz spezielle Strassenschilder und eine Gedenktafel mit Hinweisen zu Luciano Romero an.
Die Umbenennung findet heute, Freitag, um 17.30 Uhr beim Pavillon des Stadtlabors auf der Schützenmatte statt. Fans des alten Namens müssen jedoch nicht traurig sein: Der Luciano-Romero-Platz behält seinen Namen nur bis Ende September – dann wird das Projekt Neustadt-Lab beendet.