«Im Grossraumbüro ist es eine Katastrophe»

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Elektrosensibilität«Im Grossraumbüro ist es eine Katastrophe»

M.Z.* (49) leidet an Elektrosensibilität. WLAN- und Handystrahlung lösen bei ihm Kopfschmerzen und Schlaflosigkeit aus. Dennoch kann er heute damit leben.

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Kopfschmerzen, Erschöpfung, Schlaflosigkeit: Es gibt Menschen, die sich durch WLAN-Strahlung beeinträchtigt fühlen.
Gesundheitsrisiken durch WLAN-Strahlung könnten «nicht als von offizieller Stelle anerkannt gelten», befanden aber die Bundesrichter bei einem kürzlich verhandelten Fall. Dabei zog ein Mann gegen seinen Nachbarn vor Gericht, weil er angeblich physisch unter den Emissionen von dessen WLAN litt.
Bereits das Obergericht war zum Schluss gekommen, dass die Internetbox des Beschuldigten – eine Fritzbox – gegen «keinerlei gesetzliche Vorschriften» verstosse. (Symbolbild)
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Kopfschmerzen, Erschöpfung, Schlaflosigkeit: Es gibt Menschen, die sich durch WLAN-Strahlung beeinträchtigt fühlen.

Stephanie Pilick

Der 20-Minuten-Artikel schlug hohe Wellen: Ein Mann aus der Region Olten zog gegen seinen Nachbarn bis vor Bundesgericht, weil er angeblich physisch unter den Emissionen von dessen WLAN litt. Über 400 Kommentare wurden dazu verfasst. In vielen wird deutlich: Elektrosensible Menschen treffen oft auf Unverständnis oder gar Spott. «Soll er doch auch die Natur verklagen, die Strahlen abgibt», meint etwa ein Leser.

Elektrosensibilität sei jedoch kein geringfügiges Problem, sagt Peter Schlegel, Elektrosmog-Experte vom «Gesundheitstipp»: Gemäss Umfragen in den letzten Jahren würden über zehn Prozent Prozent der Schweizer Bevölkerung auf elektromagnetische Felder im Alltag reagieren.

Ferien öffneten K. die Augen

Zu ihnen gehört auch M.Z.* (49). Der IT-Experte erträgt keine Handys, keine Wireless-Systeme (WLAN) und auch keine schnurlosen Telefone. Jahrelang litt er an Schlafstörungen, Kopfschmerzen und plötzlich auftretenden Muskelentzündungen.

Dass seine Beschwerden etwas mit dem Umfeld zuhause und am Arbeitsplatz zu tun haben könnten, wurde ihm vor zehn Jahren auf einer Namibia-Reise klar. «Dort ging es mir richtig gut und ich schlief wie ein Baby», erinnert er sich. Kaum zuhause, sei er wieder nachts erwacht und habe bis am Morgen wach gelegen. Auch in einem Hotel in Mainz, wo er wenig später anlässlich eines Firmenkurses weilte, habe er bestens schlafen können.

Zufällig stiess Z. auf das Thema Elektrosmog und kaufte sich ein entsprechendes Messgerät. «Ich war überrascht, wie hoch die Strahlung in meiner Wohnung war», sagt er. Kein Wunder: In seinem Schlafzimmer waren ein Schnurlos-Telefon und ein WLAN-Router stationiert, der sogar strahlte, wenn das WLAN deaktiviert war. Nachts lag auch das Handy neben seinem Bett.

Was nicht gebraucht wird, bleibt ausgeschaltet

Jetzt handelte Z.: Er schaltete und steckte möglichst alles aus, was er nicht brauchte – vor allem nachts. Zudem kaufte er sich ein Schnurlos-Telefon mit Ecomode plus, das nur dann strahlt, wenn man damit telefoniert. «Sogar dem Nachbarn habe ich so eines geschenkt», sagt Z. Die Massnahmen zeigten Wirkung. Heute gehe es ihm wesentlich besser – zumindest zuhause, sagt er. «Dort erhole ich mich super, im Grossraumbüro ist es aber noch immer eine Katastrophe.» Deshalb arbeite er viel von zuhause aus und achte im Büro darauf, möglichst in einer Ecke «weit weg von den elektronischen Sendequellen» zu sitzen.

Z.s Fazit: Seine Situation könne man zwar merklich verbessern, doch ganz von der Elektrosensibilität befreien könne man sich nicht. «Ich zumindest kenne niemanden, der sie je ganz wegbrachte.»

* Name der Redaktion bekannt

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