Kunst-Weihnachtsbaum provoziert Passanten

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No God No War?Kunst-Weihnachtsbaum provoziert Passanten

Eine Interlakner Künstlerin hat einen provokanten Christbaum geschaffen: Er stellt die Frage: «Kein Gott, kein Krieg?» Bereits gabs Vandalenakte.

Mira Weingartner
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Mira Weingartner
Weihnachtsdeko der besonderen Art: «No God No War» fragt die Interlakner Künstlerin Barbara Kiener via Christbaum die Bevölkerung.
Im Auftrag vom Dachverein «Winterzauber Interlaken» hat sie einen Stahl-Baum in der Innenstadt dekoriert. Ob die Auftraggeber mit dem Ergebnis zufrieden sind, ist sich Kiener nicht sicher.
Denn sonst setzt man in der Berner Oberländer Stadt auf klassischen Weihnachtsschmuck.
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Weihnachtsdeko der besonderen Art: «No God No War» fragt die Interlakner Künstlerin Barbara Kiener via Christbaum die Bevölkerung.

Während der Adventszeit verwandelt sich die Stadt Interlaken in ein Winterwunderland: Auf der Höhenmatte wird geschlöfelt, an winterlich dekorierten Marktständen Glühwein ausgeschenkt; der Duft von Zimt und Manderinli liegt in der kalten Oberländer Bergluft. Doch heuer ziert nebst klassischen Weihnachtssternen und hölzernen Finnenkerzen auch ein neongrüner Stahl-Weihnachtsbaum mit der Leuchtaufschrift «No God No War?» das vorweihnächtliche Städtchen.

Seit Ende letzter Woche steht der eher atypische Christbaum mit grell leuchtenden Lettern inmitten der Touristen-Metropole. Auftraggeber für das Kunstobjekt ist «Winterzauber Interlaken», ein Dachverein von Interlaken Tourismus, Jungfrau World Events und dem Hotelierverein Interlaken. Sie haben die einheimische Künstlerin Barbara Kiener mit der Gestaltung des Tannen-Gerüsts beauftragt. Ob die Verbände nun aber mit der eigenwilligen Umsetzung der Künstlerin zufrieden sind?

«Wenn man Künstler beauftragt, dann muss man auch mit solchen Ideen rechnen», sagt Sprecherin Jrène Küng gegenüber 20 Minuten. Der Verein habe der Künstlerin die gestalterische Freiheit gelassen. «Die Kreationen dürfen zum Gedankenaustausch unter den Betrachtern anregen», meint Küng.

Betrachter vor den Kopf gestossen

Doch die Künstlerin Barbara Kiener weiss, dass ihr Werk provoziert – gerade an einem Tourismusort, wo die unterschiedlichsten Weltregionen vertreten sind. «Meine Auftraggeber waren schon etwas überrascht.» Man haben ihre kritische Kunst schliesslich aber akzeptiert.

Eigentlich gebe ihr die Skepsis aber zu denken: «Es ist eigentlich eine harmlose Frage, die man sich in der heutigen Zeit im Hinblick auf die aktuelle Weltsituation sehr wohl stellen darf», meint Kiener.

Kunst wurde über Nacht zerstört

Diese Ansicht teilt offensichtlich aber nicht jedermann: Bereits in einer der ersten Nächte wurde die Tanne zerstört und musste neu aufgebaut werden. Auch habe die Künstlerin schon diverse negative Rückmeldungen aus der Bevölkerung und gar von Bekannten erhalten. Doch damit könne sie leben. Sie hoffe nun einfach sehr, dass sie mit ihrer provokanten Kunst Diskussionen vom Zaun breche.

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