Mini-Formel 1Langenthaler gewinnt WM im Modellauto-Fahren
Dröhnende Motoren und quietschende Reifen: An der Modellauto-Weltmeisterschaft in Brasilien sorgte ein Langenthaler für Begeisterung.
Der Langenthaler Simon Kurzbuch hat sich am vergangenen Wochenende in Americana bei São Paolo den Weltmeistertitel im Modellauto-Rennen gesichert. Während 60 Minuten raste sein kleiner, aber 2,5 PS-starker Flitzer mit bis zu 110 km/h über die Rennstrecke und besiegte seinen stärksten Gegner in einem Fotofinish.
Es war nicht das erste Mal, dass der 23-jährige Wirtschaftsingenieurstudent in diesem Jahr auf dem Siegertreppchen stand. Bereits im Oktober wurde er Schweizermeister in der Kategorie V8 und stach seine Gegner an der Euro Nitro Series in Italien aus.
Mulmiges Gefühl
Als Kurzbuch erfuhr, dass es am 11. November an die Weltmeisterschaft nach Brasilien gehen wird, beschlich ihn ein mulmiges Gefühl: «Ich hatte anfangs Angst vor der Kriminaltät.» Dies habe sich aber schnell gelegt. «Brasilien ist ein wunderschönes Land und die Leute dort sind extrem nett.» So konnte sich der Modellauto-Rennfahrer beruhigt auf die Vorläufe vorbereiten und gewann nach 4-tägigem Training vier von sechs Vorläufen. «Damit qualifizierte ich mich direkt fürs Finale und sicherte mir die Pole Position», berichtet Kurzbuch.
«Während der Rennen standen wir auf einer drei Meter hohen Bühne, damit wir die 300 Meter lange Teer-Rennbahn überschauen konnten», erzählt der 23-Jährige. Jeweils zehn Rennfahrer traten gegeneinander mit den 2,5 Kilo schweren, 40 Zentimeter langen und per Funk gesteuerten Verbrennermodellautos an. «Neben mir war der Wagen des Zürchers Silvio Hächler auch gut unterwegs, wurde aber im Halbfinale von einem anderen Auto an die Bande gedrückt. Sonst wären wir zwei Schweizer im Finale gewesen», so Kurzbuch.
Spannendes Finale
Am vergangenen Samstag war es schliesslich soweit: Das Finale, auf das Kurzbuch das ganze Jahr hingearbeitet hatte, startete. Während er anfangs seine Pole Position nutzen und sich leicht vom Feld absetzten konnte, entwickelte sich der Wettkampf zunehmend zu einem Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem Japaner Takaai Shimmo, der nach 40 Minuten die Führung übernahm.
Für zusätzliche Spannung sorgten die zahlreichen Boxenstopps: Im Fünfminutentakt musste der 2000 Franken treure Flitzer nachgetankt werden. Doch Kurzbuch konnte sich auf seine Crew verlassen: «Mein Bruder und mein Vater haben dies übernommen und waren mit 1 bis 2 Sekunden pro Stopp sehr schnell.»
Mit der Zeit machte sich jedoch beim Langenthaler Müdigkeit breit: «Gegen Schluss merkte ich, dass die Konzentration nachliess.» Dennoch gab er alles: «Mir war insbesondere in den letzten zwei Runden bewusst, dass ich mir nicht den kleinsten Fehler leisten darf», so Kurzbuch.
Nach gesamthaft 60 Minuten, 200 Runden, elfmal Nachtanken und zweimaligem Reifenwechsel war es dann schliesslich soweit: Mit 0,2 Sekunden Vorsprung besiegte seinen japanischen Verfolger in einem spannenden Fotofinish – auch dank des letzten blitzschnellen Tankstopps seines Teams.
Männerdomäne Modellrennsport
Der Sieg wurde auch in der Schweiz kräftig bejubelt. Der Modell Rennsport Club Langenthal (MRCL), in dem Kurzbuch Mitglied ist, verfolgte das Rennen gespannt auf einer Grossleinwand. Vereinsmitglied Alex Stapf ist immer noch ganz begeistert von Kurzbuchs Leistung: «Natürlich haben wir danach noch kräftig gefeiert – schliesslich kommt es nicht alle Tage vor, dass ein Langenthaler einen Weltmeistertitel gewinnt.»
Dass der Modellrennsport hauptsächlich eine Männerdomäne ist, zeigt sich in der Clubstruktur: Der MRCL besteht aus rund 30 Männern, vom 20-Jährigen bis zum Pensionär.