Strassenschlacht«Buschauffeur war der Situation ausgeliefert»
Mehr als ein Dutzend vermummte haben in der Nacht auf Samstag einen Linienbus gestoppt und versprayt. Die ausgerückte Polizei wurde von den Vermummten mit Petarden angegriffen.
Strassenbarrikaden, Petarden und fliegende Steine – Berner Nachtschwärmer trafen in der Nacht auf Samstag mitten in der Bundesstadt auf ein Wild West-Szenario. Kurz nach Mitternacht lieferte sich dort erneut eine Horde von Unbekannten eine Strassenschlacht mit der Kantonspolizei Bern.
«Die Stimmung war ungeheuer – ich fühlte mich wie in einem anderen Land», sagt ein Augenzeuge zu 20 Minuten. Der Berner Leser-Reporter beobachtete, wie Vermummte mitten im Verkehr auf Höhe Bollwerk Feuerwerke zündeten – einem herbeifahrenden Linienbus sei zudem mittels Barrikade die Weiterfahrt verunmöglicht worden. Innert Kürze wurde das gestoppte Fahrzeug von Bernmobil mit Graffitis zugesprüht. «Chauffeur und Fahrgäste waren der Situation total ausgeliefert», so der Augenzeuge. Er ist sich sicher, dass man sich wegen des abrupten Überfalls im Wageninnern gefürchtet hat.
031-Gang gegen Kapo Bern?
Die Sprayereien auf dem Bernmobil-Bus, der auf dem Weg von Bremgarten an den Bahnhof Bern gewesen ist, verraten Genaueres über den Hintergrund und die Motivation der Täter: So prangert auf der Fahrzeugseite das Signet der Berner Sprayer-Gang 031. Der auf der Rückseite angebrachte «Fuck the Police»-Schriftzug lässt vermuten, wem der nächtliche Angriff eigentlich gegolten hat.
Die angeprangerten Polizisten standen auch umgehend vor Ort – dies eigentlich um die Situation beim Bollwerk zu beruhigen. Als die alarmierten Ordnungshüter kurz nach Mitternacht bei der Neubrückstrasse eintrafen, eskalierte die Situation erneut: Die Einsatzkräfte wurde von den randalierenden Personen angegriffen. Über ein Duzend Personen warfen gezielt mit Flaschen und Steinen gegen die Polizisten – ebenfalls wurde eine Leuchtpetarde gegen die Polizisten abgefeuert, dies schildert die Kapo in einer Medienmitteilung.
Laut Polizei habe man daraufhin Gummischrot eingesetzt, um die eigene Sicherheit und diejenige der Businsassen sicherzustellen. Dennoch gelang es der Polizei nicht, die Vermummten festzunehmen. Laut Angaben der Polizei gelang es den Angreifern dennoch, sich in das Innere der nahegelegenen Reitschule zurückzuziehen.
Grosser Sachschaden
Durch die Flaschen- und Steinwürfe sei ein Polizeiauto massiv beschädigt worden, ebenso entstand Sachschaden am Bus von Bernmobil. Laut Kapo sei niemand verletzt worden.
Der verunstaltete 21er-Bus müsse nun über zwei Tage wieder einsatztauglich gemacht werden, sagt Bernmobil-Sprecher Rolf Meyer. Über den genauen Schaden will er keine Angaben machen. An solche Scharmützel ist sich der bernische ÖV-Betrieb bereits gewohnt: «Es kommt mehrmals jährlich vor, dass unsere Fahrzeuge versprayt werden», sagt Rolf Meyer, Mediensprecher von Bernmobil.