Pelzträger sind beim Clubben nicht erwünscht

Aktualisiert

Berner Rondel ClubPelzträger sind beim Clubben nicht erwünscht

Teure Nerzmäntel und Silberfuchs-Accessoires gehören nicht zum Dresscode des Rondel: Der Berner Club verbannt nun Pelz von der Tanzfläche.

Mira Weingartner
von
Mira Weingartner
Pelz am Kragen: Vor dem Berner Club Rondel ...
... warten die Gäste künftig vergebens auf Einlass.
Echte und «falsche» Pelze an Jacken und Schuhen. Im Rondel unerwünscht.
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Pelz am Kragen: Vor dem Berner Club Rondel ...

ZVG

«Auch frostige Temperaturen rechtfertigen keine Kleidung, die einem Tier qualvoll vom Leib gezogen wurde», finden die Clubbetreiber des Berner Clubs Rondel. Partygäste sollen deshalb auch in wilden Nächten ihren Kopf nicht ganz verlieren, und so appelliert das Rondel-Team an die Gäste via Facebook: «Wir wünschen uns von dir, dass auch du künftig das Tragen von Pelz im Rondel möglichst unterlässt.»

Die Berner Clubbetreiber hätten einen Artikel von 20 Minuten über das Zürcher Hiltl, das Pelzträgern keinen Einlass mehr gewährt, gelesen. Zudem hätten vermehrt auch Rondel-Stammgäste den Club gebeten, ein Pelz-Verbot auszusprechen. «Wir sind nun auf diese Idee aufgesprungen und möchten dieses Konzept nun auch in Bern umsetzen», sagt Rondel-Gschäftsführer Oliver Hofer. Es sei sehr wichtig, die jungen Leute für solche Themen zu sensibilisieren, um für die Tierwelt die Koexistenz der Menschheit zu vereinfachen.

Idee wird umgesetzt

«Wir werden nun beim Eingang Plakate gegen Pelzkleidung aufhängen. Zudem werden wir auch unsere Türsteher hierfür instruieren», so Hofer. Ein radikales Verbot für Fell-Clubber könne man jedoch nicht aussprechen, da es nicht möglich sei, alle Felle auf ihre Echtheit prüfen zu lassen (siehe Box). Dies sei auch gar nicht unbedingt nötig: «Wir appellieren erstmal an die Vernunft und Selbstverantwortung eines jeden einzelnen und hoffen, dass dies die entsprechende Wirkung zeigt.»

Studentin Chérine Baumgartner (21) hat sich für ein Pelzverbot im Club eingesetzt: «In den Köpfen herrscht immer noch die veraltete Vorstellung von Jägern im Wald, dabei wird den Tiere auf grausamste Weise das Fell über die Ohren gezogen.» Dass der Berner Club nun auch auf ihre Bitte eingegangen ist, erfreut die junge Frau sehr: «Statements von Treffpunkte wie Clubs können diese Modewelle stoppen», und weiter meint sie: «Ich verstehe nicht, dass die Leute alles tun, was Karl Lagerfeld und Co. diktieren, und dabei nicht nachdenken.»

Pelzträger in Nachtclub sind offenbar ein heikles Thema: 20 Minuten fragte bei verschiedenen anderen Berner Clubs an, wie sie gegenüber einem Pelzverbot stehen. Keiner der Betreiber wollte dazu Stellung nehmen.

Echtpelze seien nicht immer einfach voneinander zu unterscheiden, heisst es beim Tierschutz-Verein Vier Pfoten. Trotzdem gäbe es deutliche Anzeichen für Echtpelz: «Bläst man über einen Pelz, kann man sehen, dass echter Pelz viel feiner auf Luft reagiert als Kunstpelz. Letzterer ist oft statisch», sagt Chantal Häberling von Vier Pfoten. Eine weitere Methode sei zudem ein Blick auf den Haaransatz: «Beim Auseinanderziehen der Pelzhaare sieht man, ob der Pelz auf Leder oder einem textilen Stoff haftet. Leder ist ein eindeutiges Indiz für Echtpelz.» Den letzten Zweifel beseitigen könne ausserdem ein Geruchstest: «Zündet man einzelne Haare an, riecht es bei echtem Pelz nach verbranntem Haar. Kunstpelz hat einen synthetischen Geruch und die Haare verschmelzen zu kleinen, harten Klümpchen.» Ein solcher Test eignet sich für einem Club allerdings weniger, so Häberling weiter.(mub)

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