LKWs sollen an Stromleitungen fahren

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E-HighwayLKWs sollen an Stromleitungen fahren

Lastwagen, die schnurren wie Trolleybusse: Die Grünen träumen von Stromleitungen über den Autobahnen, auch der Bund zeigt Interesse.

J. Büchi
von
J. Büchi
Sie sehen wie Stadtbusse aus und tönen auch so: In Schweden werden Lastwagen getestet, die über elektrische Oberleitungen betrieben werden. Auch in Deutschland und den USA gibt es entsprechende Bestrebungen.
Geht es nach den Grünen, soll auch die Schweiz eine öffentliche Teststrecke bauen. «Am besten in stark belasteten städtischen Gebieten, dort leidet die Bevölkerung unter der Luftverschmutzung», so Parteipräsidentin Regula Rytz.
Man werde den Versuch in Schweden deshalb «mit Interesse verfolgen» und sei «gespannt auf Ergebnisse», heisst es seitens des Bundesamts für Strassen im Departement von Bundesrätin Doris Leuthard. Gerade für den Strassengütertransport könnte ein solches System Vorteile aufweisen, sagt ein Sprecher.
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Sie sehen wie Stadtbusse aus und tönen auch so: In Schweden werden Lastwagen getestet, die über elektrische Oberleitungen betrieben werden. Auch in Deutschland und den USA gibt es entsprechende Bestrebungen.

Scania CV AB, Tobias Ohls

Schweden hat vergangene Woche den ersten öffentlichen E-Highway der Welt eröffnet. Unter den stolzen Blicken der Infrastrukturministerin und des Energieministers des Landes brauste nördlich von Stockholm erstmals ein Lastwagen summend den Elektroleitungen entlang – wie ein Trolleybus in der Stadt.

Die Technologie ist die gleiche: Die speziell umgerüsteten LKWs zapfen aus elektrischen Oberleitungen Strom. In den nächsten zwei Jahren will Schweden auf einer zwei Kilometer langen Strecke testen, ob sich das System der Firma Siemens für eine breitere Nutzung eignet. Dahinter steckt ein ehrgeiziges Ziel: Bis in 14 Jahren will das Land im Verkehrsbereich nicht mehr auf fossile Brennstoffe angewiesen sein. Auch in Kalifornien und Deutschland sind entsprechende Projekte geplant. So fördert das deutsche Umweltministerium den «Brummi am Draht» im Rahmen des Projekts Enuba («Elektromobilität bei schweren Nutzfahrzeugen zur Umweltentlastung von Ballungsräumen»).

Tests in Schweizer Agglos gefordert

Geht es nach den Grünen, soll nun auch die Schweiz eine Teststrecke nach schwedischem Vorbild bauen. «Am besten in stark belasteten städtischen Gebieten, dort leidet die Bevölkerung unter der Luftverschmutzung», so Parteipräsidentin Regula Rytz. Sie prüft eine entsprechende Interpellation an den Bundesrat. Potenzial sieht Rytz insbesondere in den Agglos von Zürich, Bern oder Basel. Primäres Ziel müsse es sein, den Transitgüterverkehr auf die Schiene zu verlagern, betont Rytz. «Doch für die Feinverteilung der Güter ist die Elektromobilität auf der Strasse eine spannende Option.» Alle technischen Möglichkeiten müssten genutzt werden, «um eine schädliche Klimaveränderung abzuwenden».

Siemens verspricht, mit dem System könne der Energieverbrauch halbiert und die Luftverschmutzung verringert werden. Die schwedischen Test-Lastwagen sind mit Stromabnehmern ausgerüstet, die mithilfe von Sensoren automatisch an den Oberleitungen an- und abdocken. Dank einem Hybridsystem – die LKWs haben einen Elektro- und einen Dieselmotor – können die Fahrzeuge normal überholen und bei Bedarf auf Strassen ohne Stromleitung fahren.

Bund: «wohlwollend prüfen»

An der Technologie zeigt sich auch der Bund interessiert. Das Bundesamt für Strassen (Astra) suche intensiv nach Wegen, die Energieeffizienz des Strassenverkehrs zu steigern und so den CO2-Ausstoss zu vermindern, sagt Sprecher Thomas Rohrbach. Man werde den Versuch in Schweden deshalb «mit Interesse verfolgen». Gerade für den Strassengütertransport könnte ein E-System Vorteile aufweisen: «Ein solcher Hybridlastwagen muss keine schweren Batterien an Bord haben, welche die Nutzlast einschränken.» Falls politisch die Forderung nach derartigen Tests auf den Tisch komme, werde man sie «wohlwollend prüfen».

«Sehr skeptisch» ist dagegen der Schweizerische Nutzfahrzeugverband. Vizedirektor André Kirchhofer sagt: «Bei den weiten Distanzen in Schweden mag das ja Sinn machen, in Schweiz ist die Idee von E-Highways aus geographischen Gründen hingegen illusorisch.» Für die Feinverteilung, wo die Stärke des Strassentransports liegt, müssten sonst teure Oberbau-Leitungen «bis in kleinste Berggemeinde gebaut werden». Das Geld reiche ja heute nicht einmal für die normale Engpassbeseitigung, so Kirchhofer.

Studien gehen davon aus, dass ein Kilometer E-Highway zwischen 1,1 und 2,5 Millionen Euro kostet. Wie die deutsche Bundesregierung zu bedenken gibt, stellen sich zudem auch Sicherheitsfragen. So müsse etwa geklärt werden, was passiert, falls ein Draht reisst – immerhin betrage die Spannung 600 Volt.

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