ZürichGlasfassade liefert Strom im Überfluss
Eine Altbausanierung in Zürich könnte neue Massstäbe setzen: Die Fassade produziert mehr Energie, als die Bewohner verbrauchen.

«Schweizer Premiere»: Das umgebaute Mehrfamilienhaus am Zürcher Schaffhauserplatz.
V+P VisualisierungMitten im Zürcher Kreis 6 entsteht ein «Leuchtturmprojekt», das bahnbrechend sein könnte für energetische Sanierungen von Altbauten. Der Zürcher Architekt Karl Viridén erneuerte einen Altbau mit Solarfassade, wobei die Solarenergie mehr Energie liefert, als die Bewohner verbrauchen.
Sanierungen mit glänzender Energiebilanz reichen laut Viridén mit Blick auf die 2000-Watt-Gesellschaft nicht mehr. «Ein Haus sollte heute auch Energie produzieren», sagte er am Dienstag an der Hausbesichtigung.
Bei der Sanierung des Altbaus aus dem Jahre 1982 wurde eine Glasfassade eingesetzt, die nebenher Energie produziert. Dafür wurde erstmals ein System verwendet, das Energie in Form von Solarstrom erzeugt und das zudem optimal in das Gebäude und die innerstädtische Siedlungsumgebung integrierbar ist.
Solarfassade passt sich der Umgebung an
Als «Kernstück der Schweizer Premiere» bezeichnete Viridén das Photovoltaikmodul mit matter Oberfläche, dessen Farbe unterschiedlich gewählt werden kann. Zwar hebt sich das Material beim Eckhaus im Kreis 6 von den benachbarten, verputzten Hauswänden deutlich ab. Doch mit dem dezenten grau-grünen Farbton passt sich die erneuerte Fassade dennoch optisch ansprechend in die Umgebung ein.
Insgesamt erzeugen Fassaden- und Dachflächen so viel Solarstrom, dass der Energiebedarf für Raumklima, Beleuchtung und weitere Anwendungen in den 30 Wohn- und zwei Büroeinheiten gedeckt und knapp ein Fünftel der Stromproduktion als Überschuss in das Stromnetz des Elektrizitätswerks der Stadt Zürich (ewz) eingespeist werden kann. Die erneuerte Gebäudehülle produziert aber nicht nur Strom. Zusammen mit einer optimalen Wärmedämmung und der Wärmeversorgung mit einer Wärmepumpe kann der Heizenergiebedarf um 88 Prozent reduziert werden.
Speichersystem mit Batterie
Ein weiteres Ziel sei die maximale Eigenbedarfsabdeckung, sagte Viridén. Möglichst viel des produzierten Stroms soll zeitnah vor Ort genutzt werden, entweder direkt oder nach einer Zwischenspeicherung. Ab 2018 wird deshalb ein Stromspeichersystem mit Batterie eingesetzt.
Walter Steinmann, Direktor des Bundesamts für Energie, bezeichnete das Zürcher Projekt als «Haus der Zukunft». Es habe dank beispielhaftem Gesamtkonzept Vorbildfunktion für Gebäudesanierungen und zeige auf, wie sich die Energiezukunft der Schweiz gestalten könne.