«Der Lärm war ohrenbetäubend»

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Steinschlag am Gelmersee«Der Lärm war ohrenbetäubend»

Bei einem Steinschlag am Gelmersee nahe des Grimselpasses im Berner Oberland sind sechs Personen verletzt worden. Augenzeugen berichten.

nag/lüs
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nag/lüs
Der Moment des Vorfalls: Der Steinschlag am Gelmersee. (20. August 2017)
Ein Schwerverletzer nach Steinschlag: Ein Helikopter der Rega am Gelmersee.
Der Rettungseinsatz ist abgeschlossen: Zwei Helikopter haben die Verletzten geborgen und abtransportiert,
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Der Moment des Vorfalls: Der Steinschlag am Gelmersee. (20. August 2017)

Leser-Reporter/20 Minuten

Im Berner Oberland wurden am Sonntag bei einem Steinschlag sechs Wanderer verletzt, einer von ihnen schwer. Die beiden Wandergruppen waren am rechten Ufer des Gelmersees im Grimselgebiet unterwegs, als sie von den Steinen getroffen wurden.

Der Alarm zum Steinschlag am Gelmersee ging kurz nach 13.10 Uhr bei der Berner Kantonspolizei ein, wie diese mitteilte. Der auf 1850 Metern über Meer gelegene Stausee der Kraftwerke Oberhasli ist ein beliebtes Ausflugsziel in der Grimselregion. Laut Augenzeugen waren am Sonntag mehrere Dutzend Wanderer rund um den Gelmersee unterwegs.

Bei den Verletzten handelt es sich um einen Mann aus Guatemala sowie vier Männer und eine Frau aus der Schweiz. Zwei der Opfer sind unter 18 Jahre alt. Die Verletzten wurden mit Helikoptern der Rega und von Air Glaciers sowie Ambulanzen ins Spital gebracht. Zudem wurde ein Hund verletzt und in die Obhut eines Tierarztes gegeben.

«Man hörte die Schreie der Verletzten»

Ein Leser-Reporter (20) wanderte mit seiner Freundin auf dem Weg rund um den Gelmersee, als der Steinschlag niederging. «Wir waren etwa hundert Meter vom Unfallort entfernt auf der gegenüberliegenden Seeseite», berichtet er. «Der Lärm war ohrenbetäubend.» Etwa 15 bis 20 Sekunden habe es gedauert, die Steine seien in den See geplumpst. «Danach hörte man die Schreie der Verletzten.»

Sie hätten Alarm schlagen wollen, aber mit dem Handy kein Netz gehabt. «Zehn Minuten später waren dann zwei Helikopter von Rega und Air Glaciers da.» Der Leser schätzt, dass zum Zeitpunkt des Steinschlags etwa hundert Personen auf dem See-Rundweg unterwegs waren, etwa 15 Personen in jenem Bereich, in dem der Steinschlag niederging.

«Es hätte noch viel schlimmer enden können»

Ein anderer Leser-Reporter, der knapp fünf Gehminuten vom Unfallort unterwegs war, sagt: «Wir gingen sofort in Richtung, in der der Steinschlag niederging, um zu sehen, ob es Verletzte gab.» Diese seien am Kopf, am Rücken oder an den Beinen getroffen worden. «Angesichts der grossen Steinbrocken, die niedergingen, hätte es wohl noch viel schlimmer enden können.»

Ein Notarzt sei aus einem Helikopter abgeseilt worden, um sich ein Bild der Lage zu machen und sich um die Verletzten kümmern. «Nach etwa einer halben Stunde waren alle abtransportiert.»

Wegabschnitt vorläufig gesperrt

Der Wegabschnitt bei der Heuwbalm, auf dem die vom Steinschlag erfassten Wanderer unterwegs waren, ist verschüttet und aus Sicherheitsgründen gesperrt worden. Weshalb die Steinbrocken zu Tale fielen, wird von Geologen noch untersucht, schreibt die Polizei weiter.

Die Gelmerbahn, die zum Gelmersee führt, hat ihren Betrieb vorübergehend eingestellt. Die steilste Standseilbahn der Welt lockt zahlreiche Touristen an. Der Zugang zur weiter oben gelegenen Gelmerhütte sei jedoch sichergestellt, schreibt die Kantonspolizei. Der Gelmersee ist ebenfalls auf einem Wanderweg von der Grimselpassstrasse her erreichbar.

(nag/lüs/sda)

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