«Die Überlebenschancen sind nicht mehr hoch»

Aktualisiert

Bergsturz in Bondo«Die Überlebenschancen sind nicht mehr hoch»

Nach dem Bergsturz im Bergell werden weiterhin acht Personen vermisst. Die Polizei informierte heute Mittag über den neusten Stand.

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Felssturz: Neue Bilder aus der Luft zeigen das Ausmass. (Video: Tamedia)

Die acht Personen, die nach dem grossen Bergsturz im südbündnerischen Bergell vermisst werden, sind noch nicht aufgefunden worden. Wie die Polizei am Freitag bekannt gab, stammen die Vermissten aus dem Bundesland Baden-Württemberg in Deutschland, aus der österreichischen Steiermark und aus dem Kanton Solothurn. «Wir sind 24 Stunden vom Ereignis entfernt. Die Überlebenschancen liegen nicht im hohen Bereich», so Polizeisprecher Roman Rüegg bei der Medienorientierung in Promontogno über die Vermissten.

Wie viele von den total 100 evakuierten Bewohnerinnen und Bewohnern Bondos am Freitag in die Häuser zurückkehren konnten, hing von der Einteilung in Gefahrenzonen ab, so Gemeindepräsidentin Anna Giacometti. Nach Hause durften nur jene, deren Wohnungen oder Häuser in der grünen Zone stehen. Das betreffe vor allem die, die im alten Dorfkern wohnen.

Bedrohliche Gesteinsmassen: Eine weitere Million Kubikmeter  könnte jederzeit vom Piz Cengalo abbrechen.
Musste Bergung abbrechen: Einsatzleiter Andrea Mittner informiert die Medien. (26. August 2017) Bild: Thomas Egli
Erneuter Murgang: Schlammlawine in Bondo. (25. August 2017)
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Bedrohliche Gesteinsmassen: Eine weitere Million Kubikmeter könnte jederzeit vom Piz Cengalo abbrechen.

AFP

Berg war ruhig über Nacht

Weitere Möglichkeiten zur Rückkehr wurden für den Samstag in Aussicht gestellt. Andere Bewohner durften am Freitag in Begleitung des Zivilschutzes oder der Feuerwehr vorübergehend in ihre Wohnungen gehen. 32 Personen waren aus dem Seitental Val Bondasca evakuiert worden.

Am Piz Cengalo löste sich in der Nacht auf Freitag kein weiteres Gestein. Vier Millionen Kubikmeter Material waren am Mittwoch abgebrochen und in das Seitental Val Bondasca gestürzt, von wo aus ein Teil des Abbruchs bis ins Haupttal Bergell vor das Dorf Bondo geschoben wurde. Eine weitere Million Kubikmeter soll am Berg in Bewegung sein, weshalb mit weiteren Bergstürzen gerechnet wird.

Luftraumsperre

Über dem Murgebiet von Bondo verhängte das Bundesamt für Zivilluftfahrt am Freitag eine Luftraumsperre mit einem Radius von fünf Kilometern. Die Polizei hatte einen Antrag dafür gestellt. Dadurch sollen die Rettungskräfte ungestört ihre Arbeit verrichten können. Die Sperre dauert bis nächsten Montag um 24 Uhr.

Bis auf Weiteres eingeschränkt ist der Verkehrsfluss durch das Tal. Bondo kann über die alte Strasse umfahren werden, allerdings nur im wechselseitigen Einbahnverkehr. Gesperrt wird diese Verbindung jeweils abends um 21 Uhr bis um 06.30 Uhr am folgenden Morgen. Die Sperre gilt auch für Fussgängerinnen und Fussgänger, wie es bei der Polizei hiess.

Mitten im Geröll: Die Kantonspolizei stieg nahe an die Felsabbruchstelle. (25. August 2017)
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Ausmass der Verwüstung: Das ist die jetzige Situation des Bergdorfes. (25. August 2017)
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Mitten im Geröll: Die Kantonspolizei stieg nahe an die Felsabbruchstelle. (25. August 2017)

kein Anbieter/AFP PHOTO / Kantonspolizei Graubünden

Zwei Tage nach dem Unglück: So sieht die Gegend im Bergell aus. (Video: Tamedia)

120 Einsatzkräfte vor Ort

Im Murgebiet, wo ein Alarmsystem installiert ist, arbeiten insgesamt 120 Einsatzkräfte. Die Gemeinde Val Bregaglia berief den Krisenstab ein. Im weiteren Einsatz stehen ein Geologe, das Amt für Wald und Naturgefahren, das Amt für Militär und Zivilschutz, die Schweizer Armee, das Tiefbauamt Graubünden, die SAC Sektion Bregaglia, Teams mit Suchhunden sowie das Care Team Grischun.

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