«Es braucht in jedem Zug einen Begleiter»

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Präsident der Lokführer«Es braucht in jedem Zug einen Begleiter»

Nach der Zug-Attacke in Salez fordern Bahnexperten und Politiker verstärkte Sicherheitsmassnahmen in Zügen und Bahnhöfen.

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Bahnexperten und Politiker fordern nach der Zug-Attacke in Salez SG verstärkte Sicherheitsmassnahmen.
Für Lokführer-Präsident Hans-Ruedi Schürch ist klar: «Es braucht wieder in jedem Zug einen Zugbegleiter». Diese Regelung sei vor gut 20 Jahren in den Zügen des Regionalverkehrs abgeschafft worden - ein Abbau, der sich nun räche.
Erst letztes Jahr gab es im französisch-belgischen Granzgebiet einen Anschlag in einem Thalys-Zug. Der Täter konnte von Passagieren überwältigt werden.
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Bahnexperten und Politiker fordern nach der Zug-Attacke in Salez SG verstärkte Sicherheitsmassnahmen.

Keystone/Christian Beutler

Nachdem am Samstag ein Mann im Zug bei Salez SG einen Brand legte und Passagiere mit einem Messer attackierte, sind der mutmassliche Täter und eines seiner Opfer gestorben. Fünf weitere Personen wurden verletzt. Der Zustand einer 17-Jährigen ist noch kritisch. Bahnexperten und Politiker fordern nun verstärkte Sicherheitsmassnahmen in Regionalzügen.

Für Hans-Ruedi Schürch, Präsident des Lokpersonalverbandes LPV, ist klar: «Es braucht wieder in jedem Zug einen Zugbegleiter.» Diese Regelung sei vor gut 20 Jahren in den Zügen des Regionalverkehrs abgeschafft worden – ein Abbau, der sich nun räche. «Damals war das Sicherheitsgefühl im Zug ein ganz anderes.» Ein unbewaffneter Zugbegleiter könne eine Attacke wie die in Salez auch nicht immer verhindern, aber Täter möglicherweise abschrecken. Zudem sorge die Präsenz für ein erhöhtes Sicherheitsgefühl der Passagiere.

«Präsenz schreckt potenzielle Täter ab»

Securitrans-Chef Martin Graf fordert eine Bahnhofsbewachung rund um die Uhr. «Wir müssen die Bahnhofspräsenzen auf 24 Stunden verteilen.» Vor allem in kleineren Bahnhöfen gebe es bisher tagsüber keine Bewachung. Die Umsetzung dieser Massnahme sei ohne Personalaufstockung möglich: «Es braucht aber den Mut, die Präsenz in einzelnen Nächten zu reduzieren», sagt Graf in der «Schweiz am Sonntag».

Andere Bahnexperten schliessen sich der Forderung nach mehr Sicherheitskräften an. «Eine verstärkte Bewachung der Bahnhöfe ist eine vernünftige Idee», sagt Kurt Schreiber, Präsident von Pro Bahn. Der Vorfall in Salez zeige, dass die Schweiz keine Insel sei. Deshalb solle der Bund nun mehr Geld in die Sicherheit der Bahnpassagiere investieren.

«Verstärkte Präsenz an Bahnhöfen schreckt potenzielle Täter ab und ermöglicht verstärkte Kontrollen von Personen und Gepäck.» Eine vollständige Sicherheit könne aber auch diese Massnahme nicht gewährleisten. Dazu müsste man die Gepäckstücke durch den Metalldetektor lassen und in jedem Wagon einen bewaffneten Polizisten stationieren. «Das wäre der Kriegszustand.»

«Kapo könnte am Bahnhof aushelfen»

Auch in der Politik gibt der Fall zu reden. Sicherheitspolitikerin Chantal Galladé war kurz nach dem Anschlag in Würzburg mit dem Zug in Deutschland und Frankreich unterwegs. «Dort haben sie die Sicherheitsmassnahmen in Zügen massiv verschärft.» Auch die Schweiz solle nun nachziehen und mehr Polizisten einstellen. «So könnten zum Beispiel auch die Kantonspolizeien am Bahnhof aushelfen und Präsenz markieren, dafür braucht es aber mehr Polizisten.» Gerade an neuralgischen Punkten solle die Präsenz erhöht werden. Auch Galladé betont, dass es keine absolute Sicherheit gebe. «Wir müssen mit einem gewissen Risiko leben, auch weil es nicht sinnvoll ist, in jedem Bähnli einen Polizisten zu stationieren.»

Nichts von sofort zu erhöhenden Sicherheitsmassnahmen hält SVP-Nationalrat Thomas Hurter. «Irgendwo ein paar Securitas aufzustellen, ist nicht zielführend.» Bahnverbände und Polizei sollten die Ereignisse analysieren und prüfen, ob eine Anpassung des Sicherheitsdispositivs nötig sei.« Wenn die SBB oder eine andere Bahngesellschaft zum Schluss kommt, dass mehr Sicherheitspersonal nötig ist, dann kann man sich das überlegen.»

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