Gute Vorsätze«Lassen Sie einen Ausrutscher gut sein»
Abnehmen, mehr Sport treiben oder aufhören zu rauchen: Die meisten Neujahrsvorsätze halten kaum länger als der Kater nach der Silvesterparty. Mentalcoach Dorothea B. Fierz erklärt, wie man durchhält.

Frau Fierz, wie schaffe ich es, meine Vorsätze einzuhalten?
Man sollte sie ganz konkret formulieren, nicht als unverbindliches Vorhaben. Und man sollte realistisch sein sowie einen Zeithorizont haben.
Und sich immer einschärfen: Ich will nie mehr dick sein?
Falsch. Der Grund, weshalb so viele mit ihren Vorsätzen scheitern, ist einfach: Sie fokussieren auf das, was sie nicht mehr wollen statt auf das, was sie möchten – beispielsweise darauf, wie es sich anfühlt, mit dem Traumgewicht vor dem Spiegel zu stehen. Wer sich voll auf das Ziel konzentriert, kann jeden Vorsatz erfolgreich umsetzen.
Ist es nicht besser, sich Schreckensszenarien auszumalen – etwa eine Raucherlunge?
Dass kann sicher ein Auslöser oder Antreiber für einen Vorsatz sein. Ich würde aber Ängste und negative Gefühle nicht wirklich empfehlen.
Macht es Sinn, dem Umfeld von seinen Vorsätzen zu erzählen?
Das ist sehr individuell. Das ganze Vorhaben kriegt dadurch einen verbindlicheren Charakter. Und es kann helfen, wenn einem andere zum Beispiel keine Zigaretten mehr anbieten. Druck erzeugt aber auch Gegendruck, deshalb würde ich das nicht raten.
Wie soll man reagieren, wenn man rückfällig wird?
Es ist vielfach ein unbewusstes Muster, dass man sich dann als Versager vorkommt und aufgibt. Aber ich kann aus eigener Erfahrung sprechen: Lassen Sie den Ausrutscher gut sein und bleiben Sie einfach dran.
Beziehung: Nicht zu viel wollen
Wer den Vorsatz fasst, 2013 seine Beziehungsprobleme zu lösen, wird vermutlich enttäuscht: «Dann schiessen sie erst recht üppig aus dem Boden», weiss Paarberater Klaus Heer. Seine Erfahrung zeigt: Nach einem Gespräch gehts beiden Partner gewöhnlich mieser als vorher, «ganz einfach, weil beide reden und niemand zuhört. Und weil sie dringend etwas wollen, das nicht zu haben ist». Für jene, die sich in der Liebe unbedingt etwas vornehmen wollen, gibt Heer einen scheinbar simplen Rat: Den Partner einfach so gern haben, wie er ist. «Das bringt viel Entspannung in die Beziehung.»
Rauchen: Sofort aufhören
Ob wegen der Gesundheit, dem Geld oder weil man immer mehr zum Aussenseiter wird: Wer dem Glimmstängel abschwören will, soll auf einen Schlag aufhören, sagt Silvia Büchler von der Krebsliga. «Nur wenn jemand schon sehr lange viel raucht, kann eine stufenweise Reduktion sinnvoll sein.» Am meisten Erfolg haben Raucher, die ein Ersatzprodukt wie Nikotin-Kaugummis mit einer Beratung kombinieren etwa via Gratis-Rauchstopptelefon, dessen Nummer auf jedem Päckli steht. Büchler: «Andere Methoden wie Akupunktur oder Hypnose sind wissenschaftlich nicht abgestützt.»
Gewicht: Mass halten
Mehr Früchte aber weniger Fett, Kalorien und Süsses: Wer nachhaltig abnehmen will, braucht Disziplin und Zeit. Laut der Schweizerischen Gesellschaft für Ernährung SGE sollten pro Monat nicht mehr als 1 bis 3 Kilo purzeln. Sie rät, seine Ess- und Trinkgewohnheiten zu analysieren und sich viel zu bewegen. «Es geht dabei aber nicht um Verzicht, sondern um ausgewogene Ernährung und Genuss. Alles ist erlaubt, einfach in Mass», sagt Christine Dudle-Crevoisier von der SGE.
Karriere: Netzwerk pflegen
Planen lässt sich eine Karriere nicht. «Wer eine Karriere oder einen hohen Lohn als einziges Ziel betrachtet, wird es nie erreichen», sagt Philippe Hertig, Schweiz-Chef des Headhunters Egon Zehnder. Um beruflich aufzusteigen soll man einfach seinen Job machen aber immer ein bisschen besser, als es der Chef erwartet. Vornehmen kann man sich laut Hertig trotzdem etwas: Sein Netzwerk gut zu pflegen. «Das ist zentral. 95 Prozent der Topjobs werden durch persönliche Netzwerke an einen herangetragen.»