Täter von Salez«Simon S. führte ein extrem isoliertes Leben»
Simon S. (27) hat die Messer- und Brandattacke auf Passagiere der Südostbahn verübt. Nachbarn beschreiben den Mann als Eigenbrötler.
Mit brennbarer Flüssigkeit und einem Messer hat Simon S.* am Samstagnachmittag Passagiere eines Regionalzugs der Südostbahn angegriffen. Eines der sechs Opfer erlag seinen Verletzungen, auch der 27-jährige Schweizer Täter starb einen Tag nach seiner Bluttat.
S. stammte aus dem Kanton Schwyz, wo er bis zu seinem Tod offiziell gemeldet war. Unter der Woche lebte er aber im Fürstentum Liechtenstein. Dort befindet sich auch der Sitz der in der Automobilindustrie tätigen Firma, bei der S. seine Lehre absolvierte. Und das Liechtensteiner Dorf Eschen, in dem S. wohnte, liegt nur acht Kilometer von Buchs SG entfernt, wo S. die Hochschule für Technik besuchte.
Simon S. mied Kontakt zu anderen
Mehrere Nachbarn von Simon S. in Eschen FL beschreiben den jungen Mann als zurückgezogen. «Selbst wenn ich ihn gegrüsst habe, kam nichts zurück», sagt etwa eine Nachbarin, die in derselben Strasse wie S. wohnte, zu 20 Minuten.
Simon S. sei immer die selbe Strecke mit seinem Velo gefahren, habe geradeaus vor sich hingestarrt und mit seinen Kopfhörern Musik gehört. «Manchmal dachte ich, dass er in seiner eigenen Welt lebt.» Auch anderen Anwohner beschreiben S. als Einzelgänger und als sehr ruhig: «Ab und zu sah ich ihn die Strasse entlangschlendern, sagt eine Nachbarin. S. habe nie Besuch gehabt. «Er lebte extrem isoliert», so die Nachbarin weiter.
Auch bei der Firma, bei der S. seine Lehre absolviert hatte, beschreibt man ihn als zurückgezogen. Ein ehemaliger Mitarbeiter sagt: «Er war ein sehr ruhiger, aber guter Arbeiter.» Den Kontakt zu seinen Arbeitskollegen habe er nie gesucht und auch nie zugelassen. «In den Pausen las er immer seine Bücher.» Vor einem halben Jahr sei er dann vom einen auf den anderen Tag verschwunden, so der Ex-Mitarbeiter weiter.
«Eine bestens integrierte Familie»
Die Schüler der Hochschule für Technik in Buchs wurden von der Schulleitung per Mail über den Fall informiert. Die Schulleitung wollte sich gegenüber 20 Minuten nicht äussern.
In der Schwyzer Gemeinde, in der S. als Sohn eines Lehrers aufgewachsen ist, ist der Schock gross. Der Gemeindepräsident sagt zu 20 Minuten, die Familie sei bestens integriert. «Deshalb kann ich nicht glauben, dass jemand aus dieser Familie diesen Weg geht.» Andere Dorfbewohner, die S. schon als Kind kannten, bezeichnen ihn als «lieb, aber still». Man leide mit der Familie des Täters mit. S. besuchte seine Eltern regelmässig, erst am vorletzten Wochenende soll er bei ihnen gewesen.
Gehänselt, weil er schielte
Bevor S. nach Liechtenstein zog, um eine Lehre zu beginnen, besucht er ein Gymnasium im Kanton Schwyz, dort soll es aber zu Problemen gekommen sein. Eine Dorfbewohnerin (22), die S. kennt, weil sie bei seinem Vater zur Schule ging, sagt: «Weil er schielte, wurde er gehänselt.»
Auch sie bezeichnet ihn als eine Person, die sehr zurückgezogen gelebt habe. Dass er sich von den anderen separiert habe, habe aber auch dazu geführt, dass er gemobbt worden sei. «Er war ein komischer Mensch, aber ich empfand ihn im Grossen und Ganzen auch als netten Menschen.»
*Name der Redaktion bekannt.