Die SVP legt viel stärker zu als die FDP

Aktualisiert

20Min-WahlumfrageDie SVP legt viel stärker zu als die FDP

Ein Rechtsrutsch scheint eineinhalb Wochen vor den Wahlen ziemlich sicher – allerdings hat die FDP an Fahrt verloren. Auch Präsident Müller muss zittern.

J. Büchi
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J. Büchi

Für Philipp Müllers FDP gibt es eine gute und zwei schlechte Nachrichten. Die gute: Seine Partei wird ihre jahrzehntelange Talfahrt am 18. Oktober wohl tatsächlich stoppen können und auf die Siegerstrasse zurückfinden. Wäre Anfang Monat gewählt worden, hätten die Freisinnigen laut der gewichteten Wahlumfrage von 20 Minuten einen Wähleranteil von 15,8 Prozent erreicht – das sind 0,7 Prozentpunkte mehr als vor vier Jahren.

Die schlechte Nachricht: Der Höhenflug der Partei wurde seit der letzten Umfrage im September deutlich gebremst. Damals zeichnete sich noch ein Wählerzuwachs von 1,7 Prozentpunkten ab. Im Gegenzug legte eine andere Partei in den Umfragewerten kontinuierlich zu. Die SVP könnte laut der neusten Auswertung einen Wähleranteil von 29 Prozent erreichen (+ 2,4%) und damit sogar ihren Allzeitrekord von 2007 übertreffen.

SVP profitiert von Flüchtlingskrise

«Unsere Analyse zeigt, dass die FDP derzeit eine nicht unerhebliche Zahl von Wählern an die SVP verliert», sagt Politologe Thomas Milic vom Forschungsinstitut Sotomo. Bei den Zürcher Kantonsratswahlen sei die Wanderungsbilanz noch umgekehrt gewesen. Eine mögliche Erklärung für die Verschiebungen sei die Flüchtlingskrise, zu welcher sich die SVP so dezidiert äussere wie keine andere Partei.

Darin sieht auch FDP-Präsident Philipp Müller die Erklärung für die Verschiebung: «Das Asylthema hat ganz offensichtlich eingeschlagen. Die SVP hat jetzt das thematische Umfeld, um ab durch die Decke zu gehen.» Müller betont jedoch, mit einem Stimmenzuwachs von 0,7 Prozentpunkten gebe sich die FDP nicht zufrieden. «Jetzt heisst es mobilisieren. Wir halten an unserem Ziel fest, die SP als zweitstärkste Kraft im Land abzulösen.»

Unklar ist, ob sich der Autounfall von Parteipräsident Philipp Müller auch negativ auf die nationalen Erfolgsaussichten der Partei auswirkt. Politologe Milic sagt: «Zumindest ist davon auszugehen, dass seine Ständeratskandidatur davon betroffen ist.» Das wäre dann die zweite schlechte Nachricht für den FDP-Präsidenten: Die Auswertung für den Kanton Aargau zeigt, dass Müller im Rennen um die beiden Ständeratssitze zurückgefallen ist (siehe Box).

SP fast stabil, Mitte und Grüne verlieren

Die SPverliert an den Nationalratswahlen laut Umfrage leicht und kommt auf einen Stimmenanteil von 18,4 Prozent (-0,3%). Laut Milic könnte es im linken Lager allerdings noch Verschiebungen zugunsten der Sozialdemokraten geben – was bedeuten würde, dass die Grünennoch mehr verlieren könnten als in der Umfrage ausgewiesen (-1,0%).

Die zweite grosse Verliererin neben den Grünen heisst wohl CVP. Sie kommt noch auf einen Wähleranteil von 11,4 Prozent (-0,9%). In Grenzen halten sich dagegen die Verluste von GLPund BDPmit -0,2 respektive -0,5 Prozentpunkten. «Die Grünliberalen verlieren zwar Wähler an die FDP, können diese Verluste mit Stimmen von links derzeit noch kompensieren», so Milic.

An der dritten Runde der 20-Minuten-Wahlumfrage haben sich 14'792 Personen aus der ganzen Schweiz beteiligt. Die Befragung wurde zwischen dem 1. und 2. Oktober auf den Online-Seiten von 20 Minuten in der Deutschschweiz, 20 minutes in der Westschweiz sowie 20 minuti im Tessin durchgeführt. Die Politologen Michael Hermann und Thomas Milic vom Forschungsinstitut Sotomo haben die Umfragedaten nach verschiedenen Variablen gewichtet, sodass die Stichprobe möglichst genau der Struktur der Wahlbevölkerung entspricht.

Verpasst Müller wegen Unfall Ständeratswahl?

Philipp Müller verliert im Rennen um einen der beiden Aargauer Ständeratssitze an Boden. Wollten bei der letzten Umfragewelle im September noch 42 Prozent der Aargauer Befragten den Namen des FDP-Präsidenten auf den Wahlzettel schreiben, sind es nun noch 35 Prozent. Damit verliert Müller seinen Vorsprung auf SVP-Kandidat Hansjörg Knecht und liegt neu sogar leicht hinter ihm. «Für so einen signifikanten Verlust muss es einen Grund geben», sagt Politologe Milic. «Es ist wahrscheinlich, dass die Negativschlagzeilen wegen des Autounfalls verantwortlich dafür sind.» Klar am meisten Stimmen dürfte im Aargau die Bisherige Pascale Bruderer holen. Laut Umfrage will fast jeder zweite Aargauer von der SP-Frau im Ständerat vertreten werden – damit könnte sie die Wiederwahl schon im ersten Wahlgang schaffen. «Müller, Knecht und die anderen Kandidaten müssen ziemlich sicher in den zweiten Wahlgang – da werden die Karten jedoch oft neu gemischt, was die Chancen der Kandidaten angeht», so Milic. Philipp Müller will nicht darüber spekulieren, ob sein Unfall seinen Wahlchancen geschadet hat. «Für mich war es die richtige Entscheidung, meinen persönlichen Wahlkampf auszusetzen.» (jbu)

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