DSI-AnalyseItalo-Schweizer am ehesten auf SVP-Linie
Eingebürgerte Italiener nahmen die DSI öfter an als gebürtige Schweizer. Bei Secondos aus dem Balkan war die Ablehnung hingegen gross.

Das Stimmverhalten der Eingebürgerten unterscheidet sich je nach Herkunftsland.
Keystone/Samuel TruempyIm Streit um die Durchsetzungsinitiative beanspruchten beide Seiten für sich, die Interessen der Secondos zu vertreten: Viele Migranten würden die Initiative befürworten, weil sie dann nicht mehr wegen krimineller Ausländer in Verruf kämen, sagten die Befürworter. Die Initiative zerstöre wegen Bagatellen das Leben gut integrierter Secondos und von deren Familien, kritisierten die Gegner.
Resultate der Tamedia-Abstimmungsumfrage, die 20 Minuten exklusiv vorliegen, zeigen nun erstmals, wie Zuwanderer mit Schweizer Pass gestimmt haben:
Eingebürgerte Türken und Kosovaren haben die Initiative grossmehrheitlich abgelehnt – mit Ja-Anteilen von lediglich 14 respektive 18 Prozent. Tief war die Zustimmung auch bei Spanisch- und Deutschstämmigen. Eingebürgerte Personen aus Frankreich oder Österreich legten das gleiche Stimmverhalten an den Tag wie gebürtige Schweizer, während Bürger mit italienischen Wurzeln das Anliegen sogar öfter guthiessen.
Die erste Generation von Einwanderern hat die Initiative zudem häufiger angenommen als die zweite, die ihr ganzes Leben hier verbracht hat. Besonders deutlich zeigt sich dies etwa bei den Personen aus Serbien: Während im Ausland geborene Serben die Initiative mit 58 Prozent annahmen, waren es bei den Secondos nur 24 Prozent. Hätte die erste Generation von Österreichern und Italienern allein entschieden (53 bzw. 51 Prozent Ja), hätte die SVP am Wochenende ebenfalls Grund zum Feiern gehabt.
«Vorstellungen von Schweizern übernommen»
Gianni D'Amato, Professor für Migrationsstudien an der Uni Neuenburg, spricht von frappanten Unterschieden: «Es zeigt sich, dass frühere Einwanderer-Generationen deutlich rigidere Law-and-order-Positionen vertreten.» Damit lasse sich auch die hohe Zustimmung der Italiener erklären: «Die meisten von ihnen sind schon lange da. In puncto Sicherheit und Ordnung haben viele von ihnen die Vorstellungen der – vermeintlichen – Schweizer Mehrheit übernommen.»
Die Generation ihrer Kinder sei dem gegenüber liberaler eingestellt. Dies hänge unter anderem mit der Bildung und politischen Sozialisierung zusammen. Spätere Zuwanderergruppen wie Türken und Kosovaren hätten zudem eher Diskriminierungserfahrungen gemacht. «Sie dürften deshalb sensibler auf die Forderungen der SVP reagieren als andere Ausländergruppen.»
Mobilisierung auf Social Media
Es habe der Partei wenig Sympathien verschafft, dass sie kriminelle Kosovaren jahrelang zum Feindbild hochstilisiert habe, bekräftigt Arber Bullakaj, St. Galler SP-Politiker und gebürtiger Kosovare. In erster Linie erklärt er sich die tiefe Zustimmung seiner Landsleute aber mit der starken Mobilisierung auf Social Media: «Die kosovarische Community ist politisch sehr interessiert, zahlreiche Facebook-Gruppen beschäftigten sich mit den Folgen der Initiative.» Manche Einträge seien über tausendmal gelikt worden und hätten mehrere zehntausend Personen erreicht.
Laut Umfrage stimmten die kosovarischen, türkischen und spanischen Secondos meist deshalb Nein, weil sie «unmenschliche Ausschaffungen» befürchteten. Bei den Gegnern aus Deutschland und Österreich stand hingegen das Argument im Vordergrund, dass der Rechtsstaat unantastbar sei.
Insgesamt haben über 67'000 Personen an der Tamedia-Nachbefragung teilgenommen. Für die aktuelle Auswertung wurden nur Nationalitäten berücksichtigt, aus deren Gruppe mindestens 200 Personen teilgenommen haben. Die Forscher des Instituts Sotomo haben die Resultate ausgewertet und gewichtet.