Asylbewerber geben sich oft als Kinder aus

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Umstrittene HandanalyseAsylbewerber geben sich oft als Kinder aus

Unbegleitete Asylbewerber unter 18 geniessen besonderen Schutz. Darum sagen viele, sie seien minderjährig. Röntgenbilder sollen ihre Angaben verifizieren.

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Viele Kinder und Jugendliche beantragen ganz allein in der Schweiz Asyl. Doch nicht immer sind sie tatsächlich minderjährig. Vielmehr versuchen offenbar immer öfter junge Erwachsene, in den Genuss der Extrabehandlung zu kommen. Denn unbegleitete Asylbewerber unter 18 geniessen besonderen Schutz. Sie kommen in speziellen Unterkünften unter, dürfen eine Schule besuchen, erhalten eine Vertrauensperson und einen Beistand.

Um Missbrauch vorzubeugen, wenden die Migrationsbehörden nun vermehrt wissenschaftliche Methoden an, um die Altersangaben zu überprüfen. Sprecherin Céline Kohlprath vom Staatssekretariat für Migration (SEM): «Eine Handknochenanalyse wird angeordnet, wenn die Minderjährigkeit zweifelhaft ist.» Die Analyse bestimmt das Alter der Knochen.

Kinderärzte kritisieren, Methode sei zu ungenau

Zweifel kämen dann auf, wenn die Personen vom Aussehen und Verhalten her auffällig seien. Es spiele aber auch eine Rolle, welche Dokumente vorlägen, ob die biographischen Angaben der Personen widersprüchlich seien und ob Fingerabdruckvergleiche mit Datenbanken in anderen Ländern andere Biografien zu Tage fördern würden.

In der «Schweizer Ärztezeitung» kritisieren Kinderärzte, dass die Migrationsbehörden zunehmend aufs Röntgen setzen, um eine Aussage über das Alter von Asylbewerbern zu machen. Die Methode sei viel zu ungenau, schreiben sie. Sie weigern sich darum, diese Untersuchung durchzuführen.

Erweitertes Verfahren in Zürich

Beim SEM hat man die Kritik zur Kenntnis genommen. Das Verfahren sei gesetzlich verankert und nur eines von mehreren Indizien, so Kohlprath. Und: Die Handknochenanalyse falle mit der Weigerung der Kinderärzte nicht weg. Jedes Verfahrenszentrum verfüge über verschiedene Vertrauensärzte, die diese durchführen würden.

Im neuen Bundesasylzentrum in Zürich setzt man sogar auf ein erweitertes Verfahren. Kohlprath: «Eine Kombination aus Handknochen-, Brust-/Schlüsselbeingelenk- und Gebiss-Analyse, das vom Institut für Rechtsmedizin der Uni Zürich durchgeführt wird.» Aber auch dieses Resultat sei nur ein Indiz unter mehreren, das zur Beurteilung der Glaubhaftigkeit hinzugezogen werde.

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