«Der Siegeszug der E-Zigis lässt sich nicht aufhalten»

Aktualisiert

Dampfen boomt«Der Siegeszug der E-Zigis lässt sich nicht aufhalten»

Immer mehr Schweizer inhalieren Dampf statt Rauch. Nikotinhaltige E-Zigaretten müssen allerdings im Ausland bestellt werden - daran will der Bund trotz des Booms festhalten.

Hannes von Wyl
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Hannes von Wyl

Längst zählen nicht mehr nur Hollywoodstars zu den E-Dampfern. Die tabaklose Zigarette, die in den USA nach Schätzungen von Analysten in diesem Jahr über eine Milliarde Umsatz generieren soll, ist auch hierzulande auf dem Vormarsch. Mittlerweile hat schon fast jeder zehnte männliche Raucher an einer E-Zigarette gezogen, wie eine Umfrage der Universitäten Genf und Lausanne zeigt. Unter den Nichtrauchern sind es fünf Prozent.

Das Geschäft boomt

Das spüren auch die Händler. Die marktführende Hemag Nova AG hat alleine im September dieses Jahres einen sechsstelligen Betrag mit E-Zigaretten, Flüssigkeiten und Zubehör umgesetzt. «Im Vergleich zum Vorjahresmonat haben wir den Umsatz vervierfacht», sagt Geschäftsführer Stefan Meile. Auch der Onlineshop e-smoking.ch verzeichnet seit der Gründung 2010 stetig steigende Umsatzzahlen. «Der Siegeszug der E-Zigaretten lässt sich nicht mehr aufhalten», ist Geschäftsführer Rico Daniel überzeugt.

Was den Verkauf der Flüssigkeiten anbelangt, die in den E-Zigis verdampft und dann inhaliert werden, ist die Schweiz aber ein Sonderfall: Während nikotinhaltige «Liquids» nach dem Beschluss des EU-Parlaments vom Dienstag weiterhin frei erhältlich sind, ist deren Verkauf in der Schweiz verboten. Nikotinkonsumenten können diese aber zum Eigengebrauch in limitiertem Umfang importieren. Davon profitieren vor allem ausländische Onlineshops, bei denen Schweizer Kunden für volle Kassen sorgen.

So zum Beispiel der deutsche Shop Doktor Dampf. Inhaber Thomas Wolf eröffnete 2012 einen Schweizer Ableger seines Onlineshops sowie einen Lagerverkauf in Gailingen direkt an der Schweizer Grenze. Das Geschäft boomt wie noch nie: «Innerhalb der letzten drei Monate haben sich die Umsätze vervierfacht», sagt Wolf. Davon machen die Verkäufe über den Schweizer Onlineshop 75 Prozent aus.

Schweizer Händler benachteiligt

Für den Schweizer Händler Meile ist klar: «Es ist ein Nachteil, dass wir keine nikotinhaltigen Liquids verkaufen können.» Rund 60 Prozent seiner Kunden, die bei ihm eine E-Zigarette kaufen, besorgen sich die Liquids im Ausland, schätzt Meile. Auch Webshop-Betreiber Daniel sieht die Schweizer Anbieter diskriminiert und fordert Sonderregelungen für tabakersatzartige Produkte.

Die konsumierten Flüssigkeiten unterliegen nämlich nicht dem Tabakgesetz, sondern der Lebensmittelverordnung. Diese verbietet einen Zusatz von Stoffen mit pharmakologischer Wirkung wie Nikotin. Dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) drängt sich jedoch keine Änderung der geltenden Regelungen auf.

Auswirkungen auf Gesundheit unklar

Was das E-Dampfen für Folgen für die Gesundheit haben kann, ist umstritten. Das BAG rät, elektronische Zigaretten mit Vorsicht zu konsumieren, wie Sprecherin Catherine Cossy auf Anfrage schriftlich mitteilt. Begründung: «Die Zusammensetzung dieser Produkte ist oft unklar und die längerfristigen, gesundheitlichen Auswirkungen weitgehend unbekannt.» Auch die Lungenliga Schweiz steht den E-Zigis skeptisch gegenüber: «Solange man nicht weiss, aus welchen Stoffen die Liquids zusammengesetzt sind, warnen wir vor dem Konsum», sagt Sprecherin Barbara Weber. Die Schädlichkeit dieser Produkte sei zudem wissenschaftlich noch nicht ausreichend untersucht.

Dem widerspricht die Interessensgemeinschaft E-Dampfen auf ihrer Website: «Für die Inhaltsstoffe, die Emissionen und die Kurzzeitauswirkungen gibt es zahlreiche Studien, die belegen, dass das E-Dampfen gegenüber dem Rauchen wesentlich weniger schädlich ist.» Zudem habe die E-Zigarette den Vorteil, dass die Mitmenschen nicht mit Rauch belästigt würden, günstiger als Tabakzigaretten sei und eine höhere gesellschaftliche Anerkennung geniesse. Auch gebe es «einige Dampfer, die mit der E-Zigarette ihren Nikotinkonsum reduzieren». Der rauchende SP-Ständerat Roberto Zanetti sieht da ebenfalls Potenzial: «Falls ich jemals mit Rauchen aufhören will, könnte ich mir vorstellen, dass eine E-Zigarette hilfreich sein könnte.»

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