Netz feiert Schweizerin für ihren Körper

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Instagram-StarNetz feiert Schweizerin für ihren Körper

Auf Instagram sind Fotos von perfekten Körpern weitverbreitet. Eine Schweizerin gibt Gegensteuer und stellt dort ihre Rundungen zur Schau.

Laly Zanchi
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Laly Zanchi
Ein Foto, das viele Frauen niemals auf Instagram stellen würden, doch für Morena Diaz symbolisiert es ihre Lebensphilosophie. Die Aargauer Bloggerin und Primarlehrerin hat sich ganz der Body-Positivity verschrieben.
Mit ihren Fotos möchte die 24-Jährige jenen Selbstvertrauen vermitteln, die nicht den gängigen Schönheitsidealen entsprechen.
Dabei wollte Diaz vor drei Jahren, als sie ihren Blog gegründet hat, genau so sein wie die durchtrainierten Fitness-Models: «Es sollte eigentlich ein Fitness-Blog werden, denn ich war völlig im Instagram-Fitness-Trend gefangen.»
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Ein Foto, das viele Frauen niemals auf Instagram stellen würden, doch für Morena Diaz symbolisiert es ihre Lebensphilosophie. Die Aargauer Bloggerin und Primarlehrerin hat sich ganz der Body-Positivity verschrieben.

Instagram/ m0reniita

Sie sitzt im Schmetterlings-Pyjama auf dem Sofa und isst ein Stück Schokolade. Das kurze Oberteil gibt den Blick auf zwei kleine Bauchröllchen frei. Ein Foto, das viele Frauen niemals auf Instagram stellen würden, doch für Morena Diaz symbolisiert es ihre Lebensphilosophie. Die Aargauer Bloggerin und Primarlehrerin hat sich ganz der «Body-Positivity» verschrieben. «Für mich heisst das: Ich akzeptiere meinen Körper so, wie er ist, mit all seinen angeblichen Makeln», sagt die 24-Jährige. Mit ihren Fotos möchte sie jenen Selbstvertrauen vermitteln, die nicht den gängigen Schönheitsidealen entsprechen.

Dabei wollte Diaz vor drei Jahren, als sie ihren Blog gegründet hat, genau so sein wie die durchtrainierten Fitness-Models. «Es sollte eigentlich ein Fitness-Blog werden, denn ich war völlig im Instagram-Fitness-Trend gefangen.» Diaz bezahlte sogar 120 Franken für die Fitness-DVDs eines US-Instagram-Models, wie sie dem Magazin «Surprise» erzählte. Schliesslich schlitterte Sie in eine Essstörung. «So wurde mein Blog zu einer Art Tagebuch für meinen Kampf mit der Essstörung. Und als ich sie überwunden hatte, wurde er zu einem positiven Ort, der Motivation und Kraft geben soll.»

Auf Instagram findet man meist gestellte Fotos superschlanker Frauen. Eine Schweizerin steuert gegen und stellt dort ihre Rundungen zur Schau.

Morena Diaz führt in ihren Instagram-Videos ihre Tanzkünste vor.

Viele hatten dasselbe durchgemacht

Damit war Diaz eine der Ersten, die in Europa die Body-Positivity-Bewegung repräsentierte. «Ich kehrte dem ganzen Fitness-Wahn den Rücken und schwamm gegen den Strom.» Schon bald wurde Diaz von Nachrichten anderer junger Frauen überschwemmt. Viele hatten dasselbe durchgemacht wie sie und lobten Diaz für ihren Mut. «Das motivierte mich weiterzumachen.» Inzwischen hat sie über 42'000 Follower auf Instagram.

Mittlerweile gibt es auch viele andere Frauen, die auf Social Media ihre Kurven feiern. So erobert derzeit der Hashtag #foodbaby das Netz. Will heissen: Ich bin nicht schwanger, sondern habe ein Bäuchlein vom Essen. Diaz freut sich über den Trend: «Das zeigt, dass man auch entspannt und humorvoll mit dem Essen und dem eigenen Körper umgehen kann.»

Wenn das Abendessen so gut war, dass nicht einmal mehr der Knopf zugeht.
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Wenn das Abendessen so gut war, dass nicht einmal mehr der Knopf zugeht.

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Stark Übergewichtige erregen Aufmerksamkeit

In den USA hat Body-Positivity schon früher Fuss gefasst. «Einige der Blogger dort sind stark übergewichtig und erregen mehr Aufmerksamkeit als jemand wie ich mit einer normalen Figur», sagt Diaz. Sie sieht auch die Gefahr, dass solche Personen auf der Kehrseite Übergewicht verharmlosen könnten. Da steuere sie gegen, indem sie Sport treibe und auf eine ausgewogene Ernährung achte. Es sei ihr aber wichtig, auf ihren Körper zu hören und sich ab und zu etwas zu gönnen. Diaz' Ansicht nach haben aber auch stark übergewichtige Blogger ihren Platz in der Body-Positivity-Sphäre. «Wenn auch sehr dicke Menschen ihren Körper akzeptieren und sich nicht mehr so stark unter Druck gesetzt fühlen, können sie ebenfalls entspannter mit dem Thema Abnehmen umgehen.»

So verurteilt sie auch die Tendenz gewisser Blogger, sich abschätzig über sehr schlanke oder sportliche Menschen zu äussern: «Wenn man jemandem sagt, dass er oder sie ein Klappergerüst sei, dann ist das genauso unfair und verletzend.» Den Vorwurf, dass die Body-Positivity Bewegung allen vorschreiben wolle, was sie schön zu finden haben, weist sie ebenfalls zurück. «Ich finde ja auch nicht jeden schön, aber ich mache dann einfach mal den Mund zu, statt mich abschätzig zu äussern», sagt Diaz, «denn jeder hat das Recht, sich schön zu fühlen.»

Urs Kiener, Jugendpsychologe bei Pro Juventute, begrüsst es, dass junge Menschen auf den sozialen Medien für ein realistisches Schönheitsideal einstehen. «Solche Blogger können viel für die Prävention von Essstörungen leisten», weil Jugendliche unter Gleichaltrigen nach Vorbildern suchen würden. «Prävention ist leider oftmals langweilig. Wenn die Jungen selbst mit etwas Humor eine positive Nachricht verbreiten, kommt das besser an.» Kiener warnt aber ebenfalls davor, den Trend ins Gegenteil kippen zu lassen. «Es darf nicht zu einer Verherrlichung von Übergewicht führen, dieses ist nämlich weiterhin ein grosses Problem im Gesundheitswesen.»

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