Vom Frei- zum FrausinnDrei Damen für Müller
Die FDP will weg vom Image der herzlosen Bankenpartei. Da schadet eine Portion Weiblichkeit nicht. Holt die Partei drei Frauen ins Vizepräsidium?

Philipp Müller darf im Präsidium sicher auf Isabelle Moret (oben links) und Carla Speziali (oben rechts) zählen - und möglicherweise auch auf Carmen Walker Späh.
Als Philipp Müller den FDP-Frauen Mitte März einen Besuch abstattete, schenkten sie ihm einen Besen – «um den Mief aus der Partei herauszukehren». Gut möglich, dass der designierte Präsident bei dieser Aufgabe bald auf viel weibliche Unterstützung zählen darf. Bis Samstag läuft die Bewerbungsfrist für das fünfköpfige Vizepräsidium – und drei freisinnige Frauen stehen in der Poleposition.
Einigkeit herrscht innerhalb der FDP, dass das Vizepräsidium von derzeit vier auf fünf Personen aufgestockt werden soll: Je zwei Sitze sind für Romands und Deutschweizer, einer für die Tessiner reserviert. Insgesamt haben neun Freisinnige ihr Interesse angemeldet – doch einige Personalien sind bereits klar. Als Vertreterin der italienischen Schweiz ist die Stadtpräsidentin von Locarno, Carla Speziali, gesetzt.
Ein welscher Sitz geht an den Genfer Christian Lüscher als Vertreter der Liberalen, den anderen dürfte sich die Waadtländer Nationalrätin Isabelle Moret ergattern. Sie amtiert seit 2008 als bisher einzige Frau bereits als Vizepräsidentin. Ebenfalls Interesse hat Ex-Nationalratspräsident Jean-René Germanier – dem Vernehmen nach will er aber nicht als «Ladykiller» antreten.
Zürcherin als Dritte im Bunde
Noch offen bleiben die beiden Deutschschweizer Sitze. Ambitionen dafür hat Carmen Walker Späh. Sie ist von der Findungskommission angefragt worden, wie die Präsidentin der FDP-Frauen und Zürcher Kantonsrätin bestätigt. Unterstützung bekommt Walker Spähs Kandidatur von der Berner Nationalrätin Christa Markwalder: Sie fordert die Parität im Präsidium: drei Männer (inklusive Präsident Müller) und drei Frauen.
Eine dreifache Frauenvertretung im Präsidium würde der FDP guttun und hätte Vorbildcharakter für die Wirtschaft, ist Walker Späh überzeugt. «Wir könnten so unsere Kernanliegen verstärkt in die Partei einbringen: die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie gemischte Teams bis in die Top-Etage.» Mit einer pointierten, fortschrittlichen Gesellschaftspolitik moderne Wähler anzusprechen – das würde zusammen mit einer liberalen Wirtschaftspolitik zum Erfolgsmodell für die FDP, glaubt sie.
Gute Chancen für Wasserfallen
Philipp Müller hat seinen Parteikolleginnen bereits Honig ums Maul geschmiert – und betont bei jeder Gelegenheit, dass er beim Buhlen um mehr Wählerinnen auf sie zählt. Ob er sich aber wirklich drei Vizepräsidentinnen wünscht, lässt er offen.
Das letzte Wort haben am 21. April sowieso die FDP-Delegierten. Wenn sie Walker Späh tatsächlich zur dritten Vizepräsidentin küren, gibt es ein Gerangel um den letzten freien Platz. Von den beiden bisherigen Vizepräsidenten hält sich der Zürcher Nationalrat Markus Hutter noch bedeckt. Vincenzo Pedrazzini hingegen tritt auch zu einer Kampfwahl an, wie er gegenüber 20 Minuten Online sagt. Der Präsident der FDP Schwyz und Leiter des Wahlkampfs 2011 sieht sich als Vertreter der Freisinnigen aus Gemeinden und Kantonen, die eine andere Sicht auf die Politik hätten als die Bundespolitiker in der «Berner Maschinerie». Doch was er als Stärke verkauft, könnte auch zum Handicap werden: Es ist fraglich, ob die Delegierten neben Walker Späh einen weiteren Fraktions-Outsider als Deutschweizer Vizepräsidenten wollen.
Stärkung des konservativ-rechtsbürgerlichen Lagers
Das wäre die Chance für Christian Wasserfallen, von dem Philipp Müller viel hält. Der 30-jährige Berner Nationalrat erfüllt auch das Kriterium des künftigen Präsidenten, dass nicht nur Frauen und Regionen, sondern auch die Alterssegmente angemessen vertreten sein müssen (siehe Box). Mit der Wahl Wasserfallens würde das konservativ-rechtsbürgerliche Lager gestärkt, dem auch Müller und Lüscher angehören.
Andrea Caroni, der ebenfalls als junger Hoffnungsträger fürs Präsidium gehandelt wurde, hätte die Fahne des gesellschaftlichen Liberalismus hochhalten können. Doch der Appenzeller Parlamentsneuling dürfte sich vorerst mit einem Platz im Parteivorstand begnügen.
Die Kriterien des Präsidenten
Der künftige FDP-Präsident Philipp Müller wird bei der Besetzung der fünf Vizepräsidenten-Posten ein Wort mitreden, wie er gegenüber 20 Minuten Online sagt. Er wünsche sich Leute mit grosser Leistungsbereitschaft und kommunikativen Fähigkeiten. «Ich will auch keine Kopfnicker denn die besten Lösungen entstehen nicht im Hirn des Präsidenten, sondern in harten Ping-Pong-Debatten.» Ob es sich bei seinen Präsidiumskollegen um Vertreter des Gewerbes oder der Hochfinanz handle, sei egal Hauptsache, sie seien sich im Grundsatz einig: «Wir wollen einen sauberen Finanzplatz, der eng mit dem Werkplatz zusammenarbeitet.» Nicht in Frage kämen Leute, die als Lobbyisten einzelner Wirtschaftszweige aufträten. hhs