Mobiltelefonie2800 Franken Rechnung mit unlimitiertem Abo
Eine 16-Jährige lässt nachts das Telefon an, um ihrem Freund nah zu sein. Ende Monat setzt es eine saftige Rechnung – trotz unlimitierter Telefonie.

Wie dieses Mädchen im Bild telefonierte Dina B. noch im Bett und liess dann die Verbindung zu ihrem Freund die ganze Nacht lang bestehen, um ihm nahe zu sein.
Dina B.* (16) war frisch verliebt in ihren Freund Diego*. Darum telefonierten sie praktisch jeden Abend miteinander und liessen oft das Telefon die ganze Nacht lang an. «Wir wollten miteinander einschlafen», so Dina. Zwischen acht und zwölf Stunden belegte die Hotelfachlehrtochter so an mehreren Nächten pro Woche die Telefonleitung. Da sie ein unlimitiertes Abo bei Orange hatte, machte sie sich aber keine Sorgen wegen der Rechnung.
Was sie nicht wusste: Orange preist das Abo zwar als unlimitiert an. In einem Link auf der Homepage steht aber, es sei beschränkt auf 3000 Minuten oder 50 Stunden Telefonie. Diese Limite hatte Dina mit ihren nächtlichen Schlafverbindungen schnell überschritten. Die saftige Rechnung Ende Monat liess die junge Frau aus allen Wolken fallen: 2794 Franken sollte sie bezahlen.
Angaben in Links oder Sternhinweisen reichen nicht
Ihre Mutter Jana B.* ist empört. «Nie wurde ich bei Vertragsabschluss auf eine Limite hingewiesen und es gab keine Warnung per SMS », sagt sie. Die alleinerziehende Mutter findet: «Orange wirbt mit unlimitierter Telefonie, setzt aber Limiten, das ist unlauter.»
Die Lauterkeitskommission gibt ihr Recht: «Wer mit einem Preis wirbt, muss aus diesem für den Durchschnittskonsumenten deutlich hervorgehen lassen, auf welche Waren und Verkaufseinheit er sich bezieht. Etwaige Spezifizierungen müssen darüber hinaus gut lesbar sein. Grundsätzlich kann ein irreführender Eindruck auch nicht durch Angaben in Links, Sternhinweisen oder AGBs berichtigt werden.»
Orange zeigt sich «ausnahmsweise kulant»
Auch die Stiftung für Konsumentenschutz (SKS) kritisiert die Praxis von Orange. «Wer mit dem Begriff ‹unlimitiert› Werbung macht, muss davon ausgehen, dass die Kunden ein Abo ohne irgendwelche Einschränkungen erwarten», sagt Sprecher André Bähler. Der Hinweis, dass «unlimitiert» nach der Auffassung von Orange eine Beschränkung auf 50 Stunden bedeute, sei so aufgeführt, dass der Eindruck entstehe, Orange wolle den Kunden diese wichtige Information vorenthalten. Sprecher Bähler: «Die SKS fordert Orange auf, der Kundin die Kosten für die zu viel telefonierten Minuten zu erlassen.»
Orange beharrte zunächst auf Bezahlung der Rechnung. Dann kam der Mobilfunkanbieter seiner Kundin aber entgegen. «Wir sind ausnahmsweise bereit, uns kulant zu zeigen und eine Reduktion der Rechnung um die Mehrkosten vorzunehmen», sagt Sprecherin Therese Wenger. Zur Werbung mit unlimitiertem Telefonieren sagt sie: «Dieses Abo beinhaltet die normale private Nutzung, die Orange bei Orange Young mit 3000 Minuten pro Monat für Gespräche transparent auf der Website ausweist.»
*Name geändert