Ampelfrauen auch für die Schweiz gefordert

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GeschlechtergerechtAmpelfrauen auch für die Schweiz gefordert

Wie in einigen deutschen Städten soll auch in der Schweiz an der Fussgängerampel eine Frau aufleuchten. Das verlangen Frauenorganisationen - aus Gründen der Gleichberechtigung.

D. Waldmeier
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D. Waldmeier

In Berlin Mitte haben die Sozialdemokraten genug davon, dass sie an den Verkehrsampeln immer nur ein Männchen zu Gesicht bekommen. In einem Vorstoss fordern sie, dass auch «selbstbewusste Ampelfrauen zur Regelung des Fussgängerverkehrs» an den Ampeln aufblinken. Um sexistischen Klischees entgegenzuwirken, dürften die Frauen aber weder Zöpfe noch Rock tragen, sondern müssten einem zeitgemässen Frauenbild gerecht werden.

Ampelweibchen gibt es bereits in mehreren deutschen Städten, ebenso in England und Belgien. Geht es nach dem Schweizerischen Verband für Frauenrechte, sollten auch in der Schweiz Ampelfrauen den Fussgängern das Signal zum Überqueren der Strasse geben. «Wir unterstützen diese tolle Idee. Ampelfrauen sind ein Symbol für die Gleichstellung», sagt Co-Präsidentin Ursula Nakamura-Stöcklin. Man könne sich zurecht fragen, wieso heute nur Männchen gezeigt würden - genauso wie immer noch rein männliche Begriffe wie Fussgängerstreifen verwendet würden, obwohl man Zebrastreifen sagen könne.

Für die Umsetzung sieht die Frauenrechtlerin zwei Möglichkeiten: Entweder könnten, wie etwa in Belgien, Frau und Mann gemeinsam auf der Ampel erscheinen. Oder aber es gäbe Ampeln mit Piktogrammen beider Geschlechter. «In diesem Fall müsste aber sichergestellt sein, dass es von beiden Ampeltypen gleich viele gibt.» Die Gestaltung der Ampelfrau ist aber auch für Nakamura-Stöcklin ein Drahtseilakt: «Sie sollte als Frau erkennbar sein, die Darstellung darf aber nicht sexistisch sein.»

Unterstützung aus der SP, Kopfschütteln bei der SVP

Sympathien für den Vorschlag haben einige linke Politikerinnen: «Ich würde einen solchen Vorstoss unterstützen, weil er einerseits lustig ist, andererseits aber auch ein ernsthaftes Zeichen für eine gelebte Gleichstellung», sagt Yvonne Feri, Nationalrätin und Präsidentin der SP-Frauen. Zwar lägen ihre Prioritäten eher im Kampf für die Lohngleichheit zwischen den Geschlechtern. Es sei aber wichtig, dass Mann und Frau auch in der Bildsprache gleichwertig gezeigt würden. Das sieht auch alt Nationalrätin Doris Stump (SP) so: «Eigentlich sollte das eine Selbstverständlichkeit sein. Frauen und Männer sollten in der Öffentlichkeit gleichermassen abgebildet sein.»

SVP-Nationalrat Walter Wobmann kann über den Vorschlag nur den Kopf schütteln: «Das ist unglaublich. Ich frage mich, ob wir in diesem Land keine anderen Probleme haben.» Sein Parteikollege Hans Killer pflichtet bei. Er bezweifelt, dass sich die Feministinnen mit dieser Aktion Freunde machen: «Mit einer solch unnötigen Forderung erreichen sie wohl eher das Gegenteil», sagt der SVP-Nationalrat.

Bund spricht von «geschlechterneutralem Piktogramm»

Auf taube Ohren stösst der Vorschlag beim Bundesamt für Strassen (Astra): «Eine Anpassung ist kein Thema. Auf Schweizer Ampeln erscheint im Gegensatz zum DDR-Ampelmann mit Hut ein stilisiertes, geschlechterneutrales Piktogramm - es kann sich um eine Frau, einen Mann oder ein Kind handeln», sagt Astra-Sprecher Thomas Rohrbach. Gerade bei Ampelsignalen sei es in erster Linie wichtig, dass diese verstanden würden.

Überarbeitet wird derzeit dagegen die Signalisationsverordnung. Dort würden Signale mit Bedacht modernisiert, sagt Rohrbach: «Dabei berücksichtigen wir auch Gleichstellungsanliegen.» So wird die nächste Schildergeneration nur noch Piktogramme zeigen, die keine Rückschlüsse auf das Geschlecht zulassen. Aus Kostengründen würden veraltete Signale aber nur dort ersetzt, wo dies auch nötig sei.

Im Jahr 2007 hatte bereits das Grüne Bündnis der Stadt Bern in einem Postulat Ampelfrauen für die Bundesstadt gefordert. Die Stadt lehnte das Anliegen ab. Sie begründete dies einerseits mit hohen Kosten für die Umstellung. Andererseits wurden Bedenken laut, Ampelfrauen könnten kontraproduktiv sein. Geschlechterspezifische Merkmale, etwa bei den Kleidern, seien heute stark verwischt. Die Darstellung von Männern in Hosen und Frauen in Röcken könnte bestimmte Rollenbilder zementieren.

Soll man Zebrastreifen statt Fussgänger sagen? Pausenzimmer statt Leherzimmer? Oder nicht gleich «das Elter»? Der Kampf der Geschlechter tobt nicht nur um Verkehrssignale, sondern auch um die Sprache. So regte der Sprachleitfaden, mit dem der Bund und die Stadt Bern ihre Mitarbeiter anhielten, geschlechterneutrale Begriffe zu verwenden, eine heftige Debatte über Sinn uns Unsinn solcher Regelungen an. Lann Hernscheidt, Professorin für Gender Studies an der HU Berlin machte unlängst einen kreativen Vorschlag für die Lösung des Problems: Sie nennt sich laut der «Berliner Zeitung» einfach Professix, ein Journalist oder eine Journalistin würde zum Journalix und Stundenten zu Studentxs (ausgesprochen «ikses»).

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