Hochschule vergibt Credits fürs Partyschmeissen

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WindischHochschule vergibt Credits fürs Partyschmeissen

An der Hochschule für Technik FHNW in Windisch gibt es ECTS-Punkte fürs Organisieren des FH-Festes. Das sorgt für Kritik unter Studenten.

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Das Organisieren des FH-Festes wird an der Hochschule für Technik Windisch mit zwei ECTS-Punkten belohnt. (Im Bild: das FH-Fest 2015)
Die Hochschule bietet ein freies Modul namens «Praxisorientiertes Eventmanagement» an, in dessen Rahmen die Fete organisiert wird.
Ziel der freien Module sei es, dass die Studenten «ihre Scheuklappen öffnen» und auch mal über den mathematischen oder physikalischen Tellerrand hinausschauten, sagt Martin Meyer, Leiter Ausbildung an der Hochschule für Technik.
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Das Organisieren des FH-Festes wird an der Hochschule für Technik Windisch mit zwei ECTS-Punkten belohnt. (Im Bild: das FH-Fest 2015)

MSL Eventtechnik GmbH

Auf der Facebook-Seite «Verspottet: FHNW» finden sich allerhand Kuriositäten rund ums Campusleben der Nordwestschweizer Fachhochschule. Aktuell gibt ein Rundmail der Fachschaft Technik zu reden. Diese sucht Mitglieder fürs Organisationskomitee des FH-Fests. Die Arbeit, so schreibt die Fachschaft, bleibe nicht unbelohnt. «Du erhältst dafür zwei ECTS», so das verlockende Angebot.

Das finden nicht alle gut. «Mir geht es gegen den Strich, dass man ECTS als Anreiz für einen Freiwilligen-Event missbraucht», kritisiert etwa S.T.*. Der Job solle aus reiner Freude am Organisieren gemacht werden. «ECTS sollte es für schulische Leistungen geben, nicht für Hobbys», fordert er.

Auch für Davide Casadei passen FH-Party und ECTS-Punkte nicht zusammen. Er zweifle zwar nicht am Aufwand, der für die Festorganisation betrieben werden müsse, wohl aber an den «nützlichen Fähigkeiten», die man sich dabei aneigne. «Aufwand allein rechtfertigt keine ECTS», so sein Verdikt.

«Scheuklappen öffnen»

Martin Meyer, Leiter der Hochschule für Technik FHNW, erklärt auf Anfrage, die Semesterparty werde im Rahmen des freien Moduls «Praxisorientiertes Eventmanagement» organisiert. «Das Ziel solcher freien Module ist es, dass die Studenten ihre Scheuklappen öffnen und auch mal über den mathematischen oder physikalischen Tellerrand hinausschauen», sagt er. Maximal fünf von insgesamt 180 notwendigen Credits stünden für solche «exotischen» Module zur Verfügung.

Für Meyer steht ausser Zweifel, dass man gerade bei der Organisation eines Grossanlasses wie des FH-Fests eine Menge lernen kann. «Man erstellt Event- und Sicherheitskonzepte, setzt sich mit gesetzlichen Grundlagen auseinander und muss sich mit Bereichen wie Marketing, Finanzierung und Sponsoring vertraut machen.» Das angeeignete Wissen lasse sich zudem auch auf andere Bereiche übertragen.

Mehr Aufwand als Ertrag

Meyer vergleicht das Angebot mit anderen Hochschulen, die beispielsweise ECTS für die Redaktion einer Studierendenzeitung vergeben. «Auch dabei kann man etwas lernen und es dient der Hochschule.»

Sophie Ordelman von der Fachschaft Technik, die selbst schon Teil der Festorganisation war, warnt davor, das Modul zu unterschätzen. «Wer im OK mitmacht, muss wissen, dass dies mit viel Aufwand verbunden ist», sagt sie. Selbst habe sie rund 100 Stunden investiert. Zum Vergleich: Ein ECTS-Punkt entspricht einem Lernaufwand von durchschnittlich 30 Stunden.

Credits fürs Partyschmeissen nur an FHNW

Meyer fügt an, dass man keine Teilnehmer suche, die sich nur wegen der Credits melden und dann auf der faulen Haut liegen würden. «Die kriegen sowieso keine Punkte, weil ja ein Dozent das überwacht», stellt er klar.

Gibts auch anderswo ECTS-Punkte fürs Partyschmeissen? 20 Minuten fragte bei den Fachhochschulen Bern, Luzern und Ostschweiz sowie bei der Hochschule für Wirtschaft in Zürich nach. Fazit: «Kennen wir nicht.» Mindestens in diesem Punkt dürfte die FHNW somit schweizweit einzigartig sein.

*Name der Redaktion bekannt

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